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Fischleim (Hausenblase)

aus:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Bd. 8., 1907
 

Hausenblase (Fischleim, Ichthyocolla, Colla piscium), die innere Haut der Schwimmblase großer Fische aus dem Geschlecht der Störe. Die beste H. liefern Osseter, Sterlett, Sewruga (Scherg) und Hausen. Man schneidet die mit schwacher Kalkmilch gewaschenen Blasen der Länge nach auf, reinigt sie, zieht die äußere Muskelhaut ab und bringt die innere weiße Haut in die Form von Blättern, die man auf Bretter nagelt und in der Sonne trocknet. Bisweilen werden diese Blätter in Fäden zerschnitten, auch durch Schwefeln oder längeres Eingraben in Schnee gebleicht und in Ringel- oder Lyraform aufgerollt (Klammerhausenblase). Gute H. ist hornartig, durchscheinend, gelblichweiß, bläulich schillernd, zäh, faserig, geruch- und geschmacklos, quillt in kaltem Wasser und wird undurchsichtig, löst sich aber fast vollständig in heißem Wasser und schwachem Spiritus. Die Lösung erstarrt zu einer durchsichtigen, farblosen Gallerte, die auf 1 Teil H. 30 Teile Wasser enthalten kann. Beim Verbrennen gibt H. nur 0,5 Proz. Asche. Die meiste H. liefert Rußland, und die beste ist die Astrachaner (Soliansky). Geringere H. liefern Wels (Samovy-H.), Seehecht, Gadus merlucius (nordamerikanische H.), Fingerfisch, Polynemus plebejus (ostindische H.) und Silurus Parkerii (brasilische, Cayenne-H.). Die Pará-H. besteht aus den getrockneten Eierstöcken des Gelbfisches. Auch die Schwimmblase, Haut, Magen und Därme des Störs werden auf H. verarbeitet (deutsche H.). Man benutzt H. zum Klären von Wein, Bier und Likören, ferner zum Leimen (obwohl sie vom Leim an Bindekraft übertroffen wird), zur Bereitung von Kitt für Glas und Porzellan, zum Appretieren seidener Zeuge, zur Befestigung der Perlenessenz in der Höhlung der künstlichen Perlen, zur Bereitung des Englischen Pflasters und Gelatinepapiers, zur Darstellung von Gelees etc. Taucht man seine Drahtgitter in Hausenblasenlösung, so bleibt in jeder Masche ein seines Häutchen zurück, und nach dem Trocknen erhält man eine glasartige Scheibe, die, auf beiden Seiten mit Harzfirnis überzogen, statt des Horns in Laternen benutzt werden kann. Glanzgaze ist ein ähnliches Präparat mit Gaze. In der Technik wird die H. immer mehr durch Knochenleim verdrängt. Aus Knochenleim besteht auch die aus den Knochen des Walfisches etc. bereitete künstliche H.; ein andres Surrogat der H., Ichthyocolle française, wird aus Blutfibrin bereitet und soll sich zum Klären von Wein und Bier eignen. Japanische, ostindische H., s. Agar-Agar.

 

 
aus:
Polytechnisches Journal, Band 234/Miszelle 24, S. 344, 1879

 

Ueber Bereitung des Fischleims; von Danilewsky.

Der Fischleim oder die Hausenblase wird bekanntlich aus der Schwimmblase verschiedener störartiger Fische dargestellt. Die Schwimmblase des Welses und des Karpfens liefert einen Fischleim von bedeutend geringerem Werth. Nachdem die Blase aus dem Fisch heraus genommen worden ist, weicht man sie einige Tage in öfters zu erneuerndem kaltem, besser noch in lauwarmem Wasser ein, um sie von anhängendem Blut und Fett zu reinigen. Dann wird sie nach ihrer Länge durchschnitten, mit ihrer Außenseite nach unten auf eine Lage Bast ausgebreitet und dem Einfluß der Sonne und der Luft ausgesetzt. Hernach wird, da nur die innere Lage der Schwimmblase zu gebrauchen ist, dieselbe vorsichtig von der äußeren Hautschichte abgelöst – eine Arbeit, welche das vorhergegangene Einweichen wesentlich erleichtert. Die losgetrennte innere Blasenhaut wird nun in Blattform zwischen Leinwandtuch leicht gepreßt und langsam getrocknet, so daß sie sich nicht krümmen und nicht zusammenziehen kann. Von der trockenen Hausenblase werden dann 10 bis 15, von der Blase des Störs oder des Sevruge 25 und von der des Sterletes 25 bis 100 solcher Blätter zu einem Büschel zusammen gegeben. 80 solcher Büschel bilden einen großen Bund, welcher in Matten verpackt wird. Früher wurde die Hausenblase in Streifen geschnitten, feucht zusammengepreßt und der Fischleim in Cylinder-, Hufeisen- oder in beliebiger anderer Form in den Handel gebracht. – Diejenigen Stückchen der inneren Blasenwandung, welche sich von dem äußeren Theile nicht loslösten, werden abgekratzt, mit den Fingern zu kleinen Krümchen geknetet, getrocknet und zu billigerem Preise für sich verkauft. Ein guter Fischleim, wie er zum Klären, wohl auch zum Appretiren verwendet wird, soll vollkommen weiß, durchsichtig, auf der Oberfläche gleichförmig und perlmutterglänzend sein. Die beste Sorte heißt Patriarchenfischleim nach einem vor 200 Jahren verstorbenen Patriarchen von Moskau, dessen Fabrikat als das beste und reinste gerühmt wurde. Heutzutage werden in Rußland ungefähr 2000k Fischleim jährlich im Werth von 600000 Rubel erzeugt. (Nach dem Technologiste, 1879 S. 515.)

 

 

 



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