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Der Goldfisch (Hahn 1896)

Zierfische, Krankheiten, Heilkunde, Tierarzt, Fischkrankheiten, Fischphysiologie, Fischbiologie, Fachliteratur

Eduard Hahn:
Der Goldfisch
aus:
Die Haustiere und ihre Beziehungen zur Wirtschaft des Menschen - Eine geographische Studie
Duncker & Humblot, Leipzig, 1896
 

 Der Goldfisch

 

Der Goldfisch ist ein Produkt chinesischer Kultur; ohne Zweifel stammt er von einem unserer Karausche sehr nahe stehenden oder mit ihr identischen Fische ab, ist aber vermutlich schon seit recht langer Zeit in China gezüchtet worden. Darauf deutet die weitgehende Variationsfähigkeit der verschiedenen Rassen. Die Ursache seiner Zucht liegt ohne Zweifel in der eigentümlichen Goldfarbe, die seine Schuppen meist zeigen. Diese Goldfarbe entspricht einer der Stufen zwischen Leucismus und Melanismus; als Chrysismus kommt er besonders bei braunen (bräunlich-grünen?) Fischen vor, aber durchaus nicht allein beim Goldfisch; es giebt auch eine Goldschleihe, die man als eigne Art bezeichnet hat und sehr bekannt ist ja in der letzten Zeit die sog. Goldorfe, Idus melanotus Heck. var. miniatus, geworden, die, nachdem sie in der Freiheit zufällig entstanden ist, jetzt in den Teichen der Züchter forterhalten wird. Wenn nun auch die Goldorfe hinter unserem Goldfisch an Schönheit der Farbe bedeutend zurücksteht, so wird doch der Vorgang, der auch aus diesem Fisch in absehbarer Zeit ein Haustier machen wird, sich bei dem Goldfisch ebenso gestaltet haben. Wenn nun der bedeutendste Ichthyologe unsrer Zeit, Dr. Günther in London, der Meinung ist, es handle sich bei unserem Goldfisch nur um eine zufällige Farben-Varietät unserer gewöhnlichen Karausche, die auch in China vorkommt, so dürfen wir dieser Meinung uns um so mehr anschließen, als auch bei unseren Karauschen solche goldfarbige Varietäten vorkommen. Pallas erwähnt eine solche aus der Steppe vom Ural; wahrscheinlich wurde also auch aus unserer Karausche, deren Farbe oft wechselt und häufig sehr bunt ist, sich bald eine ganze Reihe hübscher Varietäten ziehen lassen, wenn man sich erst auf die Zucht legte. Jedenfalls giebt es aber auch weitergehenden Leucismus beim Goldfisch; wir kennen ja alle jene sehr bleichen, wenig glänzenden Fische, die man mehr aus Höflichkeit Silberfische genannt hat. Hier scheint nämlich eingetreten zu sein, was C. Th. v. Siebold als Alampia, die Glanzlosigkeit der Fische, die sich oft mit Leucismus verbindet, bezeichnet; diese Fische glänzen eben nicht wie das Silber. In den älteren Nachrichten, z. B. bei Le Comte und Du Halde, findet sich die Angabe, die roten Fische seien Männchen, die weißen Weibchen; dieser Unterschied ist sicher nicht durchgehend, immerhin mag es Rassen geben, bei denen es zutrifft.
Die Jugendstadien unseres Fisches zeigen im allgemeinen eine dunkelbraune Farbe, aus der sich erst später die definitive entwickelt. Öfters scheint diese Farbe in größeren Flecken oder Partieen zu persistieren, vielleicht handelt es sich aber auch, in manchen Fällen wenigstens, um teilweisen Melanismus, denn auch dieser kommt bei unserm Fische vor. Es wurde mir die Freude, auf der Berliner Aquarium-Ausstellung 1890 einige Exemplare einer Zwergform unseres Fisches von tiefschwarzer Färbung über den ganzen Leib zu sehen. Grüne, blaue und rosenrote Fischchen, die man auf japanischen und chinesischen Kunstgegenständen öfters dargestellt findet, gehen wohl eher auf unsern Karpfen zurück, der dort gleichfalls als Schmuckfisch vorzukommen scheint. Unser Fisch scheint mehr schwarz, rot und weiß, zugleich aber mit allen möglichen Flecken und Varianten vorzukommen.

Abgesehen von diesen Farbenvarietäten zeigt unser Fisch noch sehr tiefgehende Zuchtveränderungen. Ich will hier aus Mangel an Material nicht näher darauf eingehen, wie weit die weißen, vielleicht auch die schwarzen Fische ihre Schuppen verloren haben, aber sehr auffallend sind diejenigen Fische, deren Gesichtsschädelknochen so weit verkürzt sind, daß die großen Augen neben einanderscheinbar kaum noch Platz haben und deshalb weit hervorquellen. Diesem Umstande verdanken sie ihren Namen Teleskopfische.
Ferner haben wir Fische, deren ganzes Skelett gegenüber der Lateralentwicklung stark verkürzt erscheint; eine von den Chinesen sehr geschätzte Varietät dieser Art soll so difform gebaut sein, daß sie mit Vorliebe auf dem Grunde des Beckens auf dem Rücken und den Bauch nach oben gekehrt liegt.
Viele haben gar keine Rückenßossen mehr, zeigen aber dafür eine Verdoppelung der Analflosse; besonders auffallend aber ist bei manchen Rassen nicht nur die Verlängerung der Brustflossen, sondern auch die übertriebene Entwicklung der Schwanzflosse, die drei oder vier bedeutend entwickelte Flossenlappen zeigt. Valenciennes geht so weit, in diesen Tieren den Beginn einer Doppel-Mißbildung zu sehen; jedenfalls ist es bedauerlich, daß die Wissenschaft sich, soviel ich weiß, noch nicht herabgelassen hat, die ohne Zweifel sehr lehrreiche Entwicklung dieser normalen Abnormitäten zu studieren. Von einer Bastardierung, die mit dem Karpfen sehr leicht wäre, ist mir nichts bekannt; aber Japanern und Chinesen, die Zierformen beider Fische züchten, liegt sie so nahe, daß sie sie wohl vorgenommen haben.

Verwildert ist der Goldfisch an einer ganzen Reihe von Stellen, besonders da, wo ihm auf einer Insel eine nur schwache Konkurrenz an Süßwasserfischen gegenüberstand. So bilden sie den einzigen Süßwasserfisch auf den Azoren; ferner findet man sie auf Madeira und in Algier. In St. Helena (s. u.) werden sie jetzt nicht mehr erwähnt, wohl aber sind sie noch am Cap gemein und werden noch auf Mauritius und Reunion gegessen, müssen also wohl ziemlich häufig sein. Endlich sollen sie auch auf Java und den Philippinen verwildert sein. Auf den Hawaiinseln traf sie Buchner. 

Hier handelt es sich überall um Goldfische; die verwilderten sind also chrysitisch geblieben; dagegen sind sie in Chile (S. 359 und am Cap ?) in die braune Form zurückgeschlagen.

Über den Ursprung des Goldfisches kann kein Zweifel sein. Er stammt aus China und ist von den Chinesen zu seinen bizarren Formen herangezogen. Oft wird angegeben, auch bei Du Halde, es sei ein Teich, in dem sie sich allein fänden. Meist wird die Provinz Che-Kiang als das Ursprungsgebiet angesehen. Sie müssen sehr groß werden, da Courcy bis 10 Pfund schwere Fische erwähnt. Über den Ursprung finden sich verschiedene Angaben. Basilewsky sagt nach chinesischen Quellen, sie wären ca. 450 n. Chr. zuerst gefunden. Nach einer anderen Angabe, und vielleicht bezeichnet das wirklich die ersten Anfänge der eigentlichen Zucht, wären sie zuerst unter den Sung nach 960 gezogen worden.

Jedenfalls sind sie dann früher oder später nach Japan gekommen, wo sie der erste europäische Berichterstatter von wissenschaftlicher Bedeutung, Kämpffer, bereits erwähnt. Eine schwierige Frage ist es aber, wann kamen die ersten lebenden Goldfische nach Europa? und wann kamen sie hier zur Zucht? Die Eigenschaft, in sehr kleinen Wasserbecken auszukommen und in ihnen sogar zur Fortpflanzung zu schreiten, ließ sie jedenfalls schon früh sich weiter verbreiten; die Zahl aber, die man oft nach Bloch angiebt, 1611, steht durch einen Druckfehler für 1691. Sie wäre auch viel zu früh für seine Ankunft in Europa, denn bei der langsamen und mühseligen Schiffahrt sollte man denken, ohne Zwischenstation könne von einem Transport von China bis Europa keine Rede sein. Als eine solche Zwischenstation ergiebt sich aber naturgemäß einmal Batavia, dessen reiche chinesische Kaufleute es natürlich ebenso wie die Holländer liebten, sich mit dem Glanz und Luxus ihrer einheimischen Kultur zu umgeben. So darf es uns nicht wundern, wenn wir entgegen der Angabe Valenciennes (l.c. S. 88) den Fisch bei Valentijn als in Batavia gezogen, erwähnt finden. Rumphius, dessen Manuskripte Valentijn sonst „benutzte", kannte ihn wohl noch nicht. Die nächste Station ist dann vielleicht Mauritius, vielleicht auch gleich St. Helena. Von hier kommen dann die ersten Fische 1691 nach England, doch scheinen sie sich nicht fortgepflanzt zu haben. Seitdem kamen sie öfter. Die ersten Fische, die zur Fortpflanzung kamen, gelangten 1728 nach London wohin eines der Schiffe des damaligen Lord Mayor, Sir Dekker, dieselben brachte. Auch von diesen Fischen wird noch ausdrücklich gesagt, sie seien von St. Helena gekommen. Diese Angabe scheint mir interessant, aber nicht unbedenklich, denn St. Helena war damals durch die Vernachlässigung der englischen Verwaltung, besonders den wilden Ziegen gegenüber, bereits fast ganz entwaldet und infolgedessen sehr wasserarm geworden. Immerhin mag man gerade deshalb Cisternen und Bassins gehabt haben, in denen der Fisch lebte, vielleicht um sie auch von Mückenlarven etc. rein zu halten. Jedenfalls waren aber diese Fische dazu bestimmt, den ersten Grundstock unseres Bestandes abzugeben. Auch die Fische, die durch Dekker in England verteilt wurden oder durch seine Vermittlung nach seiner Heimat Holland, z.B. in den berühmten Hortus Cliffordianus gerieten, an dem Linné einst seine ersten botanischen Studien gemacht hatte, schritten alle nicht zur Fortpflanzung; nur diejenigen, die ein naturkundiger Arzt in Harlem bekommen hatte, pflanzten sich anfangs spärlich, dann reichlicher fort. Von ihnen werden, abgesehen von größerem oder geringerem Nachschub, unsere Fische abstammen. Auch hier war die Einführung doch nicht ganz leicht, selbst 1758 hatte nur Baster junge Goldfische und nach seinem Tode 1775 waren die Fische, als seine Witwe ihren Bestand verkaufte, immer noch sehr teuer. Etwas Gewöhnliches sind sie um diese Zeit sicher nicht gewesen, sonst hätte es die französisch-indische Compagnie nicht gewagt, sie der Pompadour zum Geschenke zu überreichen; diese Fische scheinen aus dem botanischen Garten gekommen zu sein, den die Compagnie in Lorient, ihrem Hafenplatz, eingerichtet hatte. Das ist etwa 1750 gewesen; ich habe leider noch keine authentische Angabe dazu aufgetrieben. Allmählich verbreiteten sie sich dann weiter; merkwürdig genug, daß die ersten Fische, die nach Europa kamen, alle zu den Straußschwänzen gehört zu haben scheinen, wie aus der ersten wissenschaftlichen Beschreibung, die Linné gab, hervorgeht. Auch Basters Fische gehörten wohl sämtlich dazu. Nun wurden sie bald Mode. Edwards sagt um 1750, alle Schiffe aus St. Helena führten Goldfische mit, und die schwedisch-ostindische Compagnie bezog 1749 solche lebend aus Canton. Jedenfalls erregten sie damals größeres Interesse als heute, denn jetzt wird sich kaum ein Naturforscher stundenlang neben sie setzen, um sie zu beobachten, wie es Gilbert White, der vortreffliche Verfasser der Natural history of Selbourne gethan hat. J. Bell of Antermony hatte sie aber, als er 1763 schrieb, nur in China gesehen; er reiste 1720.

Mit dieser Zeit stimmt die Einführung im Schlosse Alcazar bei Sevilla, wo sie Bory de St. Vincent gelegentlich der Occupation traf, wenn die Altersbestimmung natürlich auch nicht zuverlässig ist.

In unserem Jahrhundert ist dann die Zucht sehr ausgedehnt worden. Die größte Anstalt, in der Myriaden von Fischen aufwuchsen, hatte bis in die letzte Zeit Christian Wagner in der Nähe von Oldenburg. Leider sah dieser hervorragende praktische Züchter seine ganze Anlage zerstört, als die große Spinnerei, mit deren Abflußwässern er seine Teiche warm erhielt, dazu überging, Mineralöle im Betriebe zu verwenden und so alle Fische tötete. - Ob die Zucht des Fisches, den Fatio übrigens auch als Nahrungsmittel empfiehlt, sich noch weiter ausdehnen läßt und wird, muß die Zukunft lehren. Der Fisch wird, wie oben bemerkt, auch in Java und sonst gegessen; es wäre daher gut, die Frage praktisch zu prüfen. Die Ausbreitung, soweit sie mir bekannt ist, habe ich oben beim Verwildern schon besprochen. Es ist ja klar, daß kaum bei einem einzigen anderen Haustier die Isolierung so weit geht, wie beim Goldfisch, daß also hier die Einführung auch des lebenden Fisches noch lange nicht mit einer Einführung der Zucht gleichbedeutend ist.

 



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