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Der Karpfen (Meyer 1865)

Amphibien, Reptilien, Euthanasie

aus:

[Meyers] Neues Konversations-Lexikon
Ein Wörterbuch des allgemeinen Wissens
2. Aufl., Band 9: Holbach bis Kirschkerne, Hildburghausen, 1865
 
 
Karpfen (Cyprinus), Fischgattung aus der Ordnung der Bauchflosser, welche durch die Eine, meist mitten auf dem Rücken stehende Rückenflosse, das kleine Maul, die meist zahnlosen Kiefern, aber meist mit Zähnen ausgerüsteten Schlundknochen und die große, in der Mitte eingeschürte Schwimmblase charakterisirt wird. Die Gattung K. Ist außerdem an der Rückenflosse, welche länger als die Afterflosse und mit 1 bis 2 Stacheln versehen ist, und an dem mit 3 Reihen auf der Krone flacher, gefurchter Zähne ausgerüsteten Schlund kenntnlich und begreift gesellig lebende Süßwasserfische mit meist weichem, weißem Fleisch, die sich von Insektenlarven, Würmern, besonders aber von Pflanzenstoffen und selbst von Koth, Aas und Schlamm nähren und in letzterem gern wühlen. Sie ist die artenreichste Gattung der Süßwasserfische und zählt an 38 fossile und über 120 europäische Arten.

Der gemeine K., Cyprinus carpio L., ist auf dem Rücken bläulich olivengrün, an den Seiten gelblich, am Bauche schmutzig weiß, hat 4 Bartfäden, einen stark gegabelten Schwanz und wird 1-4 Fuß lang und in unseren Teichen und Flüssen nicht leicht über 6, mitunter aber auch 40 Pfd. Und darüber schwer. Die Stromkarpfen sind besser als die See- und Teichkarpfen, besonders wenn die Teiche wenig Zufluss haben; in diesem Falle werden sie grünlich od. schwärzlich und bekommen einen modrigen Geschmack. Sie haben übrigens ein zähes Leben und lassen sich des Winters in Fischtrögen oder in Cisternen im Keller mit Brod und Salat fett machen, auch in Schnee gepackt 20 Meilen weit lebendig verführen. Sie sind in wärmeren Gegenden, namentlich im kaspischen Meer einheimisch und seit etwa 200 Jahren nach und nach in die nördlichen Länder Europa´s u. auch nach Nordamerika verpflanzt worden. Man will über 100 Jahre alte gefunden haben, die ganz mit Wasserfäden oder Moos bedeckt waren. Sie leben in den Teichen besonders von Schafmist, laichen im Mai oder Juni, streichen dabei stromaufwärts in ruhigeres Wasser, wobei sie, wie die Lachse, 6 Fuß hoch über Rechen springen, indem sie sich auf die Seite legen, sich fast kreisförmig krümmen und sich dann plötzlich mit Hülfe des Schwanzes in die Höhe schnellen. Sie haben viele Feinde, besonders stellen ihnen Hechte, Forellen und Aale nach. Ihre Vermehrung ist außerordentlich stark; Bloch fand 600.000 Eier in einem K. Man fängt sie in Seen mit dem Zuggarn, in Teichen mit Netzen und Reusen, worin eine Lockpfeife hängt. Sie lassen sich jedoch schwer fangen, weil sie sogleich den Kopf in den Schlamm stecken und das Netz über sich weggehen lassen oder über dasselbe hinwegspringen. Sie sind sehr schmackhaft und werden auf mannichfaltige Art zubereitet, auch marinirt. Am wohlschmeckendsten sind sie vom Herbst bis zum Frühjahr. Es gibt nicht selten Bastarde mit der Karausche und dem Gibel, welche Karutzkarpfen heißen, kleinere Schuppen haben mit Längslinien und nur 3 Pfund schwer werden. Auch gibt es mißgestaltete K., mit Buckel, Mooskopf [sic! - Mopskopf] ec. Da die Fischerei der wilden K. In Seen u. Flüssen nicht sehr ergiebig ist, so hat man allgemein Karpfenteiche angelegt,worin sie sich sehr vermehren und fett werden, auch zu jeder Zeit gefangen werden können. Man wählt dazu feuchte, mit Riedgras bewachsene Plätze, welche jedoch nicht kaltgründig sein dürfen. Man hat dreierlei Teiche, Streich-, Streck- und Fettteiche; die ersten müssen flach auslaufen, damit die K. Im Grase laichen können. Während die Brut klein ist, darf das Wasser nicht abfließen, auch muss man es von Fröschen rein halten. Es versteht sich von selbst, daß keine Raubfische wie Hechte, Bärsche, Karauschen und Gibel, darin sein dürfen. Der Streichkarpfen soll 6 Jahre alt sein und im Juni eingesetzt werden, 12 Stück auf einen Morgen, worunter 3 Milchner auf 1 Rogner. Im Spätherbst schafft man die Brut in die Streck- oder Winterteiche, indem man das Wasser abläßt, aber vor das Gerinne ein feines Netz spannt; daselbst müssen sie 2 Jahre bleiben, binnen welcher Zeit sie 6 Zoll lang werden. Dann kommen sie in den Fett- oder Setzteich, worin sie nach 3 Jahren 3-4 Pfd. schwer werden. Da sie sehr träg sind. So setzt man einige Hechte in den Teich, die sie herumjagen. Sie nähren sich durch Wühlen in der Erde von verfaulten Kräutern und Wurzeln, auch von jungen Wasserpflanzen, im Sommer von Insektenlarven und vollkommenen Insekten. Man läßt die Mißtjauche und allen Abguß in den Teich laufen, wirft auch Schaf- und andern Mist hinein, Erbsen, Bohnen, geschnittene Kartoffeln, Rüben, verfaultes Obst, altes Brod, verdorbenes Fleisch, Oelkuchen. Im Winter läßt man einige Fuder Mist auf das Eis führen, damit sie gleich im Frühjahr ihre Nahrung finden. Auch läßt man einen solchen Teich nach dem dritten Jahr ein Jahr lang trocken liegen und besäet ihn mit Hafer oder Wicken, damit das Schilf vertilgt werde und die Fische wieder neue Wurzeln bekommen. Im Winter muß man das Wasser etwas ablassen, damit Luft unter das Eis kommt. Die K. Liegen während dieser Zeit im Kessel dicht an einander, wie Häringe in einer Tonne, ohne zu fressen und ohne abzumagern. Sie bekommen bisweilen einen Ausschlag, den man die Pocken nennt, welcher aber selten tödtlich wird. Kommt durch starke Regengüsse faules Wasser in den Teich, so bekommen sie das sogenannte Moos, kleine Auswüchse und Wasserfäden auf Kopf und Rücken, woran sie sterben; auch erkranken sie, wenn plötzlich viel Schneewasser in den Teich kommt. Ehedem war das Grundschädelbein (os basilare) des K.s unter dem Namen Karpfenstein (lapis carpionis, lapides carpionum) gebräuchlich, und ihm wurden verschiedene Wirkungen zugeschrieben; allein es wirkt nur wie kohlensaurer Kalk und ist längst aus dem Arzneischatze verschwunden. Der K. Liefert auch Fischleim. Der Spiegelkarpfen od. Karpfenkönig (C. Rex cyprinorum Bl.) ist eine mit mehren Reihen großer, tafelförmiger Schuppen besetzte, übrigens nackte Spielart, die für besonder schmackhaft gehalten wird. Zu der Gattung K. Gehört auch die Karausche (C. Carassius L.); dieselbe ist kurz, hoch, oben grünbraun, auf den Seiten gelb, am Bauche weißlich, mit langer Rücken- u. ausgebuchteter, wie jene gelber, grau gesäumter Schwanzflosse versehen und unterscheidet sich von dem K. besonders durch die fehlenden Bartfäden. Sie wird höchstens 1 Pfd. Schwer, gleicht in der Lebensart ganz dem K., steht ihm aber an Güte des Fleisches nach u. wird daher nicht in Teichen, wohl aber ihrer starken Vermehrung wegen zuweilen als Futter für Raubfische (Forellen und Hechte) gezüchtet. Der Gibel oder die Steinkarausche (C. Gibelio Gm.) ist oben blau, unten röthlich, auf dem Rücken weniger gekrümmt als die vorige Art, ebenfalls ohne Bartfäden und besonders an der halbmondförmigen Schwanzflosse u. der nach hinten gebogenen Seitenlinie kenntlich. Sie wird 6-8 Zoll lang und ¼ – 1 Pfd. schwer. Sie findet sich nicht in Flüssen, wohl aber häufig in Seen und Teichen Norddeutschlands. Nach Eckströms [sic! - Ekström] und Eschrichts Beonachtungen soll dies nur eine entartete Karausche sein. Der Goldkarpfen (C. auratus L., Goldfisch) stammt aus China, wird seiner schönen Farbe wegen häufig in eigenen Gläsern im Zimmer gehalten und mit Oblaten und Brodkrumen gefüttert. In Italien findet man ihn in Gartenbassins in Menge. In kleinen Behältnissen wird er in 10 Jahren nicht merklich größer, während 1½ Zoll lange in einem großen Bassin schon binnen 10 Monaten die dreifache Länge erreichen. In der Jugend ist der Goldfisch schwärzlich und nimmt erst später seine schöne Färbung an. Er wurde zuerst 1728 durch Philipp Worth nach England gebracht. Man findet mitunter monströse, durch Färbung, Zahl und Bildung der Flossen, Größe der Augen ausgezeichnete Spielarten.
 
 
 


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