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Über die Teichwirtschaft zu Wittingau (1873)

Amphibien, Reptilien, Euthanasie

 

Auszug aus:

Beschreibung der fürstlich Schwarzenberg'schen Domäne WITTINGAU in Böhmen
in allen ihren wirthschaftlichen Verhältnissen.
Im Selbstverlage der fürstlich Schwarzenberg'schen Centralkanzlei, Wien, 1873
 
 
Die Teichwirthschaft

 

Die Natur hat durch die Bildung von Wasserbecken, Teichen und das Gedeihen der Fische darin den ersten Fingerzeig zur Nutzbarmachung der versumpften Ebene gegeben, aus welcher in der Vorzeit die landwirthschaftstauglichen Flächen nur inselartig emporgetaucht sein mögen.

Dieser Wink blieb nicht unbeachtet. Die grössere Zahl der jetzt bestehenden Teiche entstand schon in der Rosenberg'schen Zeit. Die tieferen Mulden wurden zu Teichen eingedämmt, welchen das Wasser durch Gräben und Canäle aus den benachbarten Gebieten zugeführt wurde und die vorerst Wald- oder Moorgrund, hiedurch gleichzeitig mehr oder weniger trocken gelegt, für anderweitige Culturen die erste Vorbereitung oder Schutz vor Ueberschwemmungen erhielten. So wurden die Teichanlagen das Alpha aller späteren Cultur-Fortschritte nicht nur der Domäne, sondern der ganzen grossen Wittingauer Ebene.

Nachdem über die Geschichte der Wittingauer Teiche nähere Mittheilungen in dem von Director W. Horak verfassten Werke: "Die Teichwirthschaft mit besonderer Rücksicht auf das südliche Böhmen" (Prag, Calve 1869), enthalten sind, genügt es hier, blos jener Hauptmomente zu gedenken, welche zum Nachweise der Culturentwicklung dieses Besitzes unentbehrlich oder auch für jene von einigem Interesse sind, die sich nicht näher mit der Teichwirthschaft befassen.

Der älteste Teich, "Steinröhrner", böhmisch Dwořiště, mit 685 Joch (382 Hectaren) Area, wurde nach den urkundlichen Aufzeichnungen im Jahre 1367 von Jeschko von Kosowa-Hora auf Lomnitz errichtet. Er fängt die von der Lischauer Abdachung kommenden Wässer auf und schützt die Lomnitzer Fluren vor Ueberschwemmung.

Der grösste Teich ist der "Rosenberger" mit 1253 Joch (720 Hectaren) Area, in der Zeit von 1584 bis 1590 erbaut. Der ihn umschliessende, mit einer Steinterrasse versehene Damm misst 10 Klafter (19 Meter) Höhe, an der Basis 35 Klafter (66 Meter) Breite und 1575 Klafter (2977 Meter) Länge.

Als die Zahl der Teiche schon eine ansehnliche wurde, sah man die Nothwendigkeit ein, die stehenden Gewässer mit fliessendem Wasser aufzufrischen. Da an diesem die Wittingauer Gegend grossen Mangel litt, so entschloss man sich zu Ende des 15. Jahrhunderts nach dem Projecte des Rosenberg'schen "Ober-Fisch- und Jägermeisters" Stiepanek aus Netolitz einen künstlichen Canal herzustellen, um in diesen das Lainsitz- (Luschnitz-) Wasser den Teichen, sowie den an frischem Wasser armen Ortschaften dieses Gebietes zuzuführen, was auch nach mehrjährigen Mühen wirklich gelang. Später wurde dieses Wasserwerk, ein halbes Jahrhundert darnach, unter dem Rosenberg'schen Oberbeamten Krězin von Jelčzan regulirt und in Absicht auf Herstellung eines stärkeren Gefälles in den gegenwärtigen Lauf gebracht.

Wegen der vielseitigen Leistungen dieses Canals, der vier grosse Mühlen und zwei kleinere Wasserwerke treibt, die meisten grossen Teiche, die Städte Wittingau und Lomnitz, dann mehrere kleinere Ortschaften mit frischem Wasser versieht, als Wasserstrasse zum Schwemmen von Scheit- und Bauholz dient, Wiesen bewässert, endlich so eingerichtet ist, dass ihm in trockenen Jahren, wo das Flusswasser nicht ausreicht, disponibles Wasser aus den grösseren Teichen zugeführt werden kann, wodurch sein Dienst um so sicherer und werthvoller wird, erhielt derselbe den verdienten Namen Goldbach. Er bezieht das Flusswasser hart an der Südgrenze der Besitzung aus der Lainsitz (Luschnitz) und fällt in dieselbe nach einem 12stündigen, 24.000 Klafter langen, nach Norden gerichteten Schlangenlaufe wieder zurück.

Nächst dieser Pulsader des Wittingauer Wassernetzes ist noch ein zweites, älteres Wasserwerk erwähnenswerth. Es ist dies der sogenannte "Neubach".

Derselbe entstand aus Anlass der Errichtung des Rosenberger Teiches, welchen der Luschnitz-Fluss in seinem Hauptlaufe durchzieht. Um gegen die Hochwässer sowohl den Teich, als dessen und der nahen Stadt Wittingau Umgebung zu schützen, wurde aus der hier seitdem auch "Altbach" genannten Luschnitz, vor deren Eintritt in das lnundationsgebiet des Teiches Rosenberg an der oberen östlichen Herrschaftsgrenze ein 1 1/2 Stunden langer, gegen die untere Seite des Landes mit Dämmen abgeschlossener Canal, der "Neubach", nach der die Nordostgrenze der Domäne berührenden Nescharka geschnitten, wohin seitdem bei Hochfluth das aus Niederösterreich in grosser Menge herbeiströmende Luschnitz-Wasser abgeführt, hiedurch aber die grosse Fläche der Wittingauer Hochebene vor den früheren Ueberschwemmungen am wirksamsten geschützt wird.

Durch diese beiden Anlagen bekam man erst eigentlich die Gewässer in die Gewalt und eine wohldurchdachte Verbindung der vielen Teiche in ein festes System hinsichtlich der Wasserbenutzung war schon damals eine reife Frucht der gewaltigen und eben dieser Oertlichkeit so ganz anpassenden Culturanstrengungen.

Doch war den älteren Teichwirthen der ursächliche Zusammenhang zwischen Boden, Fläche, Lage, Besetzung der Teiche und den Fischzucht-Erfolgen nicht immer klar genug. So kam es, dass von den durch mehrere Jahrhunderte fortgesetzten Teichbauten manche später ihre Bestandberechtigung nicht behaupteten und entweder ganz aufgelassen oder mehrfach regulirt wurden, während auch an anderen Orten oft ganz neue Teiche, selbst auch in der jüngsten Zeit angelegt wurden. Erst im Vorjahre wurden auf einem bisher ertraglosen Hutweiden-Terrain vier kleinere Teiche neu errichtet.

Gegenwärtig umfasst die Teichwirthschaft der Domäne die schon oben angegebene Fläche von 9682 Joch (5564 Hectaren), in welche sich 187 Teiche theilen. Ausserdem sind die 84 Teiche der benachbarten fürstlichen Domänen Cheynow, Forbes, Bzy, dann 14 Gemeindeteiche zusammen mit einer Fläche von 446 Joch (254 Hectaren) zu Randen der Wittingauer Teichverwaltung angepachtet.

In den meisten Teichen ist Sand- und Moorboden vorherrschend. Ursprünglich waren es meist versumpfte Mulden, welche die Kernpunkte der zu Teichanlagen bestimmten Territorien bildeten. Im Verlaufe der Jahrhunderte wurden nun die Teiche mehr oder weniger durch den Wasserzuftuss versandet, oder auch mit Schlamm erdigen Ursprungs aus den benachbarten Aeckern überführt. Ackerbare Gründe wurden nur ausnahmsweise und in sehr kleiner Ausdehnung aus Rücksichten für die Gesammtanlage in das Teichgebiet einbezogen.

Die Beschaffenheit des Bodens und der äusseren Zuflüsse bestimmt die Grösse der Besatzung der einzelnen Teiche, und das richtige Verhältniss dieser zwei Factoren ist von der entscheidendsten Bedeutung für den Fischzuwachs und die Fischausbeute. Das Hauptcontingent der Wasserbevölkerung stellen die Karpfen; in zweiter Linie werden die Schillen, Hechten, Schleien und Bärschlinge berücksichtigt. Von sonstigen in ihrem Fortkommen der Natur überlassenen Fischarten ist noch der Aal, dann der Wetterfisch erwähnenswerth; unter gleichen Bedingungen kommen in den Gewässern daselbst Krebse ziemlich zahlreich vor.

Die Besatzung besteht gegenwärtig aus 2500 Schock Streich- und 5500 Schock gestreckter Brut von Edelfischen und 1700 Schock Ausschuss (1 Schock = 60 Stück).

Die Jahresproduction beträgt an 3500 Ctr. Karpfen und 200 Ctr. Hechten und Schillen; im Ganzen 3700-4000 Ctr. (224 Tonnen) Edelfische. Herbstfischerei ist aus mehrfachen Gründen Regel; ein kleiner Theil der Jahresausbeute wird im Frühjahre ausgehoben.

Ausserdem wird noch die überzählige Brut an fremde Teichwirthschaften der Umgebung und selbst nach Mähren und Niederösterreich verkauft.

Was den Absatz anbelangt, lässt sich sagen, dass die Nachfrage immer mehr das mögliche Angebot übersteigt. Der grösste Theil der Wagfische wandert, früher auf Fuhrwägen, jetzt meist per Bahn, nach Wien, wo die Karpfen häufig als "Donaukarpfen" in den Hôtel-Küchen stets "warme" Anempfehlung finden. Der schon wegen der viel schnelleren Beförderung vortheilhaftere Bahn-Transport erfolgt in eigenen, niedrigen, mit schmalen, ovalen Böden versehenen Fässern, welche mit der breiten Daubenfläche aufliegen (so dass die kreisrunde Bodenform des gewöhnlichen Fasses bis auf 1/3 des Durchmessers niedergedrückt erscheint), worin die Fische mehr nur nebeneinander schwimmend erhalten werden und so auch weniger Beschädigungen ausgesetzt sind, als früher in den grossen, viel Wasser beanspruchenden und dadurch schwerer transportablen Fässern mit runden Böden, worin trotz des grösseren Wasseraufwandes die Fische vielfach übereinander zu lagern kamen und hiedurch häufig Schaden litten.

An 1000 Ctr. Edelfische werden jährlich auch nach Hamburg auf der Wasserstrasse Luschnitz-Moldau-Elbe in solchen Fässern geliefert. Prag, Linz und Pest-Ofen sind weitere bedeutendere Absatzorte.

Hinsichtlich der Bewirthschaftung sind die Teiche in Streich-, Streck- und Karpfen- oder Hauptteiche eingetheilt.

Der Streichteich (auch Brutteich genannt) hat die Erzeugung der Fischbrut, hier vorherrschend Karpfenbrut, zum Zwecke. Dafür eignen sich vorzüglich warme und ruhig gelegene Himmelteiche, so genannt, weil sie, mit Bächen und Flüssen in keiner Communication stehend, mit Regenwasser gespeist werden.

Der Streckteich dient der Aufzucht der im Streichteiche gewonnenen Brut. Diese muss hier durch ein bis zwei Sommer "gestreckt", wachsen gelassen werden, bis sie stark genug ist, um als Besatzung (Ausschuss, vymět) den Haupt- oder Karpfenteichen übergeben werden zu können. Er soll flach liegen und erhält in der Regel nur bei grösseren Niederschlägen einen Wasserzufluss aus der nächsten Umgebung. Nimmt die Strecke wie gewöhnlich mehr als einen Sommer in Anspruch, so wird die Brut in den sogenannten Kammerteichen, welche geschützte Lage, angemessene Tiefe und sichere Wässerung haben müssen, überwintert.

Die Karpfen- oder Hauptteiche sind die Stätte, wo der Fisch die erforderlichen Bedingungen finden muss, um zu einem verkäuflichen Wagfisch im Gewicht von 3-4 Pfd. (1 1/2 - 2 Kilogramm) pr. Stück heranzuwachsen, wozu je nach der Beschaffenheit des Teiches und der Stärke seiner Besetzung 1, 2 auch 3 Jahre erforderlich werden und wornach die Behandlung des Teiches ein-, zwei-, dreihitzig benannt wird.

Der in den Karpfenteich versetzte junge Fisch darf also höchstens 3 Jahre alt und soll darin längstens im 3. Jahre, sonach im 6. Lebensjahre zum Wagfisch herangewachsen sein.

Unter Beachtung der bei der allgemeinen Thierproduction giltigen Naturgesetze und der speciellen Eigenheiten der Fischnatur wird jedoch die möglichste Verkürzung der bezeichneten Aufzucht-Perioden angestrebt, und hiermit ist der Grundgedanke der Fischzucht und mit der weiteren Rücksicht auf Erzielung einer gleichmässigen Jahresproduction auch jener des aufgestellten Teichbewirthschaftungs-Systems ausgesprochen.

Von nicht geringer Bedeutung für den Gesammterfolg sind aber auch die Nebennutzungen der Teiche und auch diese sind somit im System zu berücksichtigen. Sie bestehen vorzüglich in der Graserei, der Schilfgewinnung, Schlammausfuhr und der Sämerung der Teiche.

Die Graserei bezieht sich hauptsächlich auf die Teichränder. Darin erscheinen durch natürliche Besamung vorherrschend die verschiedenen Festuca-, Poa-, Bromus-Arten, Aira aquat., Glyceria fluitans, Dactylis, Carex, Equisetum palustre, Cirsium palust., Eriophorum polystachion, Ranunculus acris, flammula, lingua etc., Rumex, Polygonum hydropiper, mitunter auch Orchis viridis, Conopsea palustris, Vaccinium oxycoccos u.s.w.

Durch die Cultur gewinnen jedoch Süssgräser und je nach Lage auch Kleearten die dominirende Stellung, wie dies besonders die gelungenen Culturen am Rande des Rosenberger Teiches am besten illustriren.

Das Schilf liefert grosse Massen an Streumateriale für die Landwirthschaft. Man begreift darunter in der Regel ein Gemisch von Arundo phragmites, Acorus calamus und Typha (Rohrkolbenarten), häufig mit Unterwuchs von Carex, Juncus- und Scirpus-Arten. Da die Schilfvegetation in mässigen Grenzen auch für die Fischzucht von günstiger Einwirkung ist, so wurde in Teichen, welche dessen bisher entbehrten, Schilf angesiedelt, wobei sich die Verpflanzung mit Ballen am besten bewährte.

Schlamm wird aus Teichen, welche eben abgelassen sind, während des Winters ausgeführt, ein Jahr in der Regel vorerst compostmässig behandelt und dann den nächsten Oekonomieobjecten zugewendet. Schlamm aus unterhalb Ortschaften oder fruchtbaren Aeckern gelegenen Teichen hat selbstverständlich den grössten Düngerwerth. Uebrigens ist schon im Interesse der Fischzucht die periodische Räumung der Teiche unerlässlich. In Teichen, die von den in der Selbstverwaltung befindlichen Oekonomie-Objecten zu weit entfernt liegen, wird die Schlammausbeute benachbarten fürstlichen Grundparcellen-Pächtern unentgeltlich gestattet.

Die wichtigste Nebennutzung ist die Sämerung der Teiche. Darunter wird die ein- bis zweijährige Benützung eines trocken gelegten Teiches zu Samenanbau, d. i. zu landwirthschaftlichen Zwecken durch Getreide- und Futteranbau verstanden. Hafer ist die Hauptfrucht der Sämerung; in untergeordneter Ausdehnung, doch mit gutem Erfolge wurde bisher auch die Sonnenblume, dann Buchweizen und Spergel erprobt. Zu Futterzwecken findet Kleegraseinbau statt, wo die Sämerung länger als ein Jahr dauern kann. Es ist diese Nutzungsart wohl schon sehr lange bekannt; in der letzten Zeit aber erst wurde sie mehrfach ausgebildet und bei Feststellung des Teichwirthschafts- Planes auch in ein festes System gebracht. Gegenwärtig ist darauf bei allen dafür geeigneten Teichen Rücksicht genommen. Je nach Boden, Lage und Zulass der Fischzuchtverhältnisse kehrt darin die Sämerung bald öfter, bald seltener wieder und dauert dann in der Regel 1 bis 2 Jahre, nur ausnahmsweise bis in das dritte Jahr.

Ausser der obenerwähnten Graserei, beziehungsweise Heunützung, kommen nun auch die ohne jeden Düngeraufwand gewonnenen Getreide- und Futterernten gegen mässige Aufrechnung der Oekonomie zu Guten. Blos weit entlegene Teichränder werden licitando zur einjährigen Grasnutzung verpachtet.

Selbst im Rosenberger Teiche, welchen, wie aus Obigem bekannt, ein Fluss durchschneidet, wurde die Sämerung schon mehrere Male in der jüngsten Zeit mit dem besten Erfolge durchgeführt.

Nur schwebte hier die Gefahr der Ueberschwemmung durch die Luschnitz, ein wahres Damokles-Schwert, doch immer über der gesegneten Haferflur. Deshalb wurde vor 2 Jahren zum Schutze der Saat mitten durch den Teich ein breiter Canal mit einem Querprofil von mehreren Quadratklaftern geschlagen, am unteren Ende an der Dammsohle mit den entsprechenden grossen Abflussröhren, 6 an der Zahl, versehen, und so gleichsam das Flussbett der Luschnitz versteckt, um darin die oft plötzlich hereinbrechenden Wildwässer, welche der oben erwähnte „ Neubach" nicht abzulenken vermochte, rasch abzuführen. Dieses jüngste der bedeutenderen Wasserwerke von Wittingau empfing den Namen Adolfka (Adolfscanal). Das schon bestandene 30 Klafter (57 Meter) breite, stets offen gehaltene Teichfluder sammt den verschiedenartig situirten alten 14 Abflussröhren dieses Teiches hätte zu dem besprochenen Zwecke nicht ausgereicht, da es sich in diesem Falle darum handelt, die Wildwässer unter dem Niveau der bebauten Teichfläche abzuleiten.

Von Fischfeinden aus der Thierwelt ist obenan die Fischotter zu nennen, welche mitunter grossen Schaden anrichtet, weshalb sie eifrigst verfolgt und auf deren Kopf, oder besser gesagt Balg, eine bedeutende Prämie ausgesetzt ist. Fischfeindliche Raubvögel gehören nun zu den Seltenheiten. Das vorkommende unschädliche Wassergeflügel wird bei der Jagdrubrik angeführt werden.

Dem abgesetzten und in der Ausbrütung begriffenen Laiche, dann der zarten Fischbrut sind ferner nachstehende Feinde gefährlich, als: der grüne Wasserfrosch (Rana esculenta), die Unke (Bombinator ign.), der Sumpfsalamander (Triton palustris), der Teichsalamander (Trit. cinereus), der gefleckte Wasserwolf (Trit. punctatus), der Pferdeegel (Aulacostomum nigrescens), der pechschwarze Wasserkäfer (Hydrophilus piceus), Schwimmkäfer (Dytiscus latissimus & D. marginalis), Taumelkäfer (Gyrinus natator), die Wasserskorpion-Wanze (Nepa cinerea), der gemeine Rückenschwimmer (Notonecta glauca), Libellen und ihre Metarmophosen, Tauchkäfer (Hydrocanthari).

Frische Wässerung ist das Schutzmittel gegen die meisten dieser Schädlinge.

Die Raubfische stehen in der Macht des Teichwirthes und werden nur dort geduldet, wo sie den Edelfischen und deren Brut nicht schaden können.

Ein strenger und anhaltender Winter, dann ungenügende Wässerung sind wohl die grössten Feinde der Teichfischer, daher der Teichwirth auf diese möglichen Ereignisse stets gefasst sein muss, um die Besatzung glücklich durchzuwintern. Fleissiges Aufeisen, Haltung von Wasserreserven sind vorzüglich die Mittel, mit denen er gegen solche Elementar-Einflüsse erfolgreich ankämpft.

Als Wasseransiedler und unter der Obhut der Teichverwaltung stehend sind hier noch die Biber anzuführen. Die Ansiedlungen im Freien, deren es auf der Domline noch einige gibt, vermindern sich immer mehr und dürften unter den vielfachen Nachstellungen, denen sie ausgesetzt sind, bald ganz verschwinden. Ihr culturfeindliches Wesen lässt auch eine stärkere Vermehrung gar nicht wünschenswerth erscheinen. Um sie jedoch nicht ganz aussterben zu lassen, wurde schon vor längerer Zeit ein eigener Zwinger für dieselben in der Nähe des Rosenberger Teiches errichtet, um deren Zucht in der Gefangenschaft, die ihnen übrigens möglichst naturgemäss vorgerichtet wurde, zu versuchen.

Zur Besorgung der Teichaufsicht und der unmittelbaren Fischereigeschäfte besteht ausser dem Fischmeister folgendes Personale:

1 Unterfischmeister, 12 Teichschaffner (Baschtiřze), 12 Fischer und 30 Heger. Bei der Abfischung, die wohl von Kähnen aus geleitet wird, wobei jedoch besonders zum Schlusse der Netzzug das Personale nöthigt, tief im Wasser zu waten, sind die Betheiligten in hohe wasserdichte Stiefel und eine Art Lederkoller gekleidet.

In Horak's citirtem Buch ist das lebendige Treiben bei einer Fischerei ganz vortrefflich geschildert.

Auch eine ganz neue industrielle Blüthe hat die Teichwirthschaft im verflossenen Winter angesetzt. Zum erstenmale wurde nämlich die Lieferung von Eis mittelst der Franz Josephs-Bahn in entfernte Brauereien, besonders nach Wien, wohin allein an 300.000 Ctr. (16.800 Tonnen) Eis abgegeben wurden, theilweise auch nach Prag, eingeleitet. Durch die vielen in der Nähe der Bahn gelegenen Teiche ist die Domäne in den Stand gesetzt, eine Eismenge aufzubringen, welche selbst die höchst gespannte Leistungsfähigkeit der Bahn hinsichtlich des Transportes übersteigt. Es sind auch alle Anstalten getroffen, um selbst in normalen Wintern das Eisgeschäft concurrenzfähig zu gestalten. Doch wird dies nur gelingen, wenn auch von Seite der Bahn in Wahrnehmung ihres eigenen daran geknüpften Interesses diesem Unternehmen unter die Arme gegriffen werden wird. Für die auf Handarbeit angewiesene Bevölkenmg in dieser Gegend würde durch die Ausbildung eines bleibenden Eishandels gerade zur Zeit des Stillstandes aller grösseren Cultur-Unternehmungen während des meist langen Winters eine neue segensreiche Erwerbsquelle geschaffen werden.


 
Auszug aus:
(hier übersetzt ins Deutsche)
 
Hessel, Rudolph
The Carp and its Culture in Rivers and Lakes [...]
Report of the United States Commissioner of Fisheries Part IV (1875-1876)
Washington, 1878
 

Eine gefeierte Einrichtung zur Karpfenzucht mit großen extensiven Teichen befand sich bereits im 14. Jahrhundert nahe der Stadt Wittingau, in Böhmen, Österreich. Ihre ersten Anfänge können bis zum Jahr 1367 zurückverfolgt werden. Zu dieser Zeit ließen die Herren von Rosenberg diese Einrichtungen entstehen und unterhielten sie für Jahrhunderte in einem solchen extensiven Ausmaß, daß sie bis heute bei Besuchern Bewunderung auslösen. Die größten Teile bestehen weiterhin, obwohl das Geschlecht der Rosenbergs schon lange vergangen ist.

Das Landgut von Wittingau litt sehr unter dem Unheil des Dreißigjährigen Krieges und damit auch seine Fischzucht. Diese erholte sich erst wieder davon, nachdem sie zusammen mit den großen Landgütern des reichen Klosters mit gleichem Namen im Jahre 1670 in den Besitz der heutigen Eigentümer, der Prinzen von Schwarzenberg überging. Das Ausmaß, welches die Karpfenzucht in diesen prinzlichen Domänen erreichte, ist daran ersichtlich, daß ihre künstlichen Teiche ein Gebiet von nicht weniger als 20.000 Morgen umfasste. Die Erträge betrugen ungefähr 500.000 Pfund Karpfen pro Jahr. Die Teiche der Prinzen von Schwarzenberg sind möglicherweise die großflächigsten ihrer Art auf dem ganzen Globus. Sie liegen normalerweise in einem hügeligen Tiefland, wo kleine Täler von gigantischen Stau-Dämmen, welche zum Zwecke der Errichtung von Wasserspeichern geschaffen wurden, eingeschlossen sind.


 

weitere Literatur:

Šusta, J.:
Fünf Jahrhunderte der Teichwirthschaft zu Wittingau - Ein Beitrag zur Geschichte der Fischzucht mit besonderer Berücksichtigung der Gegenwart
Herrcke & Lebeling, Stettin, 1898
 


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