FIBERI - Fisch(erei) Beratung Ritter 2018




Thema
Menü

FIBERI - Fisch(erei) Beratung Ritter 2018

Alle nicht-pflichtigen Inhalte dieser Internet-Präsenz sind unverbindlich und ohne Gewähr!  (weitere INFO!)

Aquakultur

Zierfische, Krankheiten, Heilkunde, Tierarzt, Fischkrankheiten, Fischphysiologie, Fischbiologie, Fachliteratur

 

Zum Ursprung des Wortes:

Zur Prüfung der Wortbedeutung schauen wir zunächst in´s etymologische Wörterbuch, bei Pfeifer (5. Aufl./2000) und Kluge (24. Aufl./2002) lässt sich der explizite Begriff aber nicht finden.

Mit etwas Vorbildung ist ersichtlich, daß der Begriff eine Zusammensetzung aus den Einzelbegriffen "Aqua" und "Kultur" ist. Der Erstere ist eindeutig lateinischen Ursprungs, der Letztere nicht direkt als solcher ersichtlich, hierzu ist ein erneuter Griff zum Etymologie-Wörterbuch erfolgreicher.

Wir springen aber nun direkt zum Latein-Wörterbuch und schauen nach folgenden Basis-Wörtern:

aqua

cultura

Georges (6. Aufl./1869) referiert die Bedeutung des Wortes "aqua" als allgemeine Verwendung für das Element Wasser, aber auch für spezielle Beschreibungen, so z.B. für das Meer, den Fluss oder das Gewässer an sich.

Als "cultura" beschreibt er die "Bearbeitung, Abwartung, Besorgung, Pflege", allgemein verwendet als "agri culturae", somit als der uns bekannte Landbau oder die Landwirtschaft.

Wir gehen also davon aus, daß das Wasser oder das Gewässer in der Aquakultur gepflegt und bearbeitet wird.

 

 

Zur Bedeutung der Aquakultur:

Schauen wir jetzt einmal für eine kurze Darstellung in ein Taschenlexikon ...

 

Das DTV-Lexikon (20 Bde./1997) berschreibt es so:

Aquakultur, Zucht oder Aufzucht von Pflanzen und Tieren des Süß-, Brack- und Salzwassers in entsprechenden Anlagen (Aquarien, Freilandbecken u.a.) zu wissenschaftl. Forschungen und ökonom. Nutzung.

 

Das [sogenannte] Brockhaus Taschenlexikon (24 Bde./2010) schreibt:

Aquakultur, planmäßige Bewirtschaftung und Nutzung von Wasserflächen (Meer, Seen, Flüsse) unter Anwendung von biolog. und techn. Erkenntnissen mit dem Ziel dauerhafter Erträge von Algen, Muscheln, Schnecken, Krebsen, Fischen u.a. Wasserorganismen.

 

Es lassen sich Übereinstimmungen aber auch Unterschiede in diesen kurzen Beschreibungen finden. Wenn wir nun zurückgehen zu der Grundbedeutung des Wortes, der Pflege und Bearbeitung des Wassers/Gewässers, so ist allein aus dieser nicht zu erkennen aus welchem Grund oder zu welchem Zweck dieses erfolgt. Es lässt sich aber hier aufgrund der weiteren Taschenbuch-Definitionen schon erkennen, daß es in der gebräuchlichen Bedeutung nicht primär um das Wasser selbst, sondern die Lebewesen darin geht. Dem strengen Wortlaut folgend wären sonst z.B. auch ein Springbrunnen, ein Schwimmbad oder die reine Trinkwasserversorgung auch Teile des expliziten Aquakultur-Begriffes.

 

Da ein Taschen-Lexikon wenig zur Vertiefung bietet, gehen wir nun die etwas dickeren Enzyklopädien an ...

Die Brockhaus-Enzyklopädie in ihrer 20. Auflage (24 Bde./2001) zeigt zunächst, daß der Eintrag des [sogenannten] Brockhaus Taschenlexikon eine einfache Abschrift ihrer ersten Zeilen ist. Hier geht sie aber noch etwas weiter:

Aquakultur, planmäßige Bewirtschaftung und Nutzung von Wasserflächen (Meer, Seen, Flüsse) unter Anwendung von biolog. und techn. Erkenntnissen mit dem Ziel dauerhafter Erträge von Algen, Muscheln, Schnecken, Krebsen, Fischen u.a. Wasserorganismen. Die intensivste Form der A. ist die weitgehend kontrollierte Vermehrung und Aufzucht von Wassertieren in Teichen, Becken und Netzgehegen unter optimierten Umweltbedingungen (Wasserqualität und -temperatur, Fütterung, Besatzdichte, Krankheitsbekämpfung).

[...]

Zur A. gehört auch die Zucht von Fischen für Aquarien, Parkteiche und zum Testen der Qualität von Abwässern.

Als Referenzen werden hier neben der allgemeinen Bezeichnung der Zeitschriften "Aquaculture" (1972 ff.) und "Angewandte Ichthyologie" (1985 ff.) auch die Bücher von Muir u.a. (Recent Advances in Aquaculture, 1982/1987), sowie von Allen u.a. (Bioeconomics of Aquaculture, 1984) genannt.

 

Ein Vergleich mit der vorhergehenden 19. Auflage (Band 2/1987) zeigt, daß ein Absatz weggefallen ist der dort einige Zahlen nennt:

[...]

Dabei werden jährlich rd. 2,6 Mio.t Fische und 10 000t Krebse produziert. 75% der A.-Produkte werden in SO-Asien erzeugt (China, Japan, Indien, Korea, Taiwan).

[...]

Auch hier werden bereits die o.g. Referenzen der Folgeauflage benannt.

Da man aber auch die Extensiv-Bewirtschaftung (z.B. bei Karpfen) mit einbeziehen muss, kann nicht der pauschalierenden Aussage folgend jede "weitgehend kontrollierte Vermehrung und Aufzucht von Wassertieren in Teichen" als "intensivste Form der A." gesehen werden. Als der zugrundeliegende Prototyp dürfte hier wohl die Forellenzucht in Durchfluss-Betonbecken zu sehen sein.

 

 

Ein kurzer Blick in´s Ausland:

 

In der Encyclopedia Americana (30 Vols./2005) ist der Begriff "Aquaculture" alleinstehend nicht zu finden, allerdings ist dort ein Kapitel zum Thema "Fish and Shellfish Culture" von John E. Bardach verfasst worden.

Dort sieht er die Aquakultur als verwandt mit der Aufzucht von domestizierten Landtieren, da auch hier über verschiedene Lebensphasen der kultivierten Tiere Kontrolle ausgeübt würde, obgleich er einräumt, daß die Kontrolle selten so vollständig sei wie bei Landtieren. Er stellt ebenso einen Bezug zur Fischerei her, da in beiden Bereichen die gleichen Organismen produziert würden, die Fischerei aber lediglich über das Fang-Werkzeug, die Aquakultur aber im Gegensatz sowohl über den gesamten Tierbestand, als auch die "Produktions-Maschinerie" verfüge.

 

- - -

 

Der Begriff "Aquakultur" umfasst von seiner reinen Wortbedeutung her zunächst jede Art der aktiven Nutzung und Pflege eines Gewässers oder des Wassers selbst. Er findet aber seine tatsächliche Bestimmung in dem Bereich der (Auf-) Zucht von aquatischen Lebewesen zur Nutzung durch den Menschen. Traditionell hat sich im besonderen Maße die Teichwirtschaft und darin die Fischwirtschaft behauptet, daher wird der Begriff oft gleichgesetzt mit diesen oder auf diese beschränkt, so schreibt z.B. Alsing (1993) im Lexikon Landwirtschaft:

Aquakultur - Mit A. werden Verfahren zur Intensivierung der Fischzüchtung und Fischproduktion bezeichnet (→Teichwirtschaft)

 

Eine Grundlage für eine rein methodische Sicht lässt sich auch bereits im Illustrierten Fischerei-Lexikon (1936) finden, dort steht:

Aquakultur (Aquakulturchemie), Ausdrücke, die in neuerer Zeit auftauchen für Erforschung und Pflege der Gewässer und zugehörige chemische und biologische Untersuchung.

 

Die FAO (2008) definiert in ihrem Glossary of Aquaculture den Begriff "Aquaculture" so:

Aquaculture

The farming of aquatic organisms in inland and coastal areas, involving intervention in the rearing process to enhance production and the individual or corporate ownership of the stock being cultivated.

 

Damit bringt sie als Grundlage folgende Punkte zusammen:

"Farming"

"aquatic organisms"

Hier ist wieder der Allgemeinbegriff der Wasserorganismen zu sehen und die Bewirtschaftung (Pflege) des Wassers als Gewässer, somit nicht eine Beschränkung auf bestimmte Tierarten oder das Wasser als primäres Element. Das Gewässer kann sowohl im Inland oder im Küstenbereich sein, somit umfasst es hier auch wieder das Süß-, Brack- und Meerwasser.

Die Wasserorganismen sind auch grundsätzlich nicht nur auf Schlachttiere begrenzt zu sehen, da z.B. im Rahmen der Urproduktion die "Kultivierung" der Nährtiere auch von essentieller Bedeutung ist.

 

Stickney weist in seiner Encyclopedia of Aquaculture (2000) darauf hin, daß es verschieden Definitionen für das Wort "Aquaculture" geben kann und vielleicht auch Missverständnisse bestehen, so schreibt er dort zur Wortfindung:

There are many definitions of the word aquaculture. Those concerned with the collation of statistical data concerning food production through aquaculture tend to be very specific; they embody the concept of stock ownership as well as its management, to distinguish between the harvest from capture fisheries and from farming. One simpler definition¹ of aquaculture is the ‘‘cultivation of plants or breeding of animals in water.’’ Many different activities fall within this definition. The farming of aquatic animals and plants for direct or indirect human consumption is the field with which I am most familiar but it is clear that this definition of aquaculture would encompass many other activities, including the rearing of aquatic animals and plants for and within public and private aquariums and research facilities, the production of bait fish, and the hatchery and nursery rearing of stock intended for fisheries enhancement or restocking programs. In aquatic food production the word aquaculture has sometimes erroneously been used to imply culture in freshwater, while the word mariculture has been used to refer to culture in seawater. In fact, the word aquaculture embraces culture in all salinities, ranging from freshwater through brackishwater and full-strength seawater to hypersaline water.

[...]

¹ J.B. Sykes (Editor), 1982. The Concise Oxford Dictionary, Oxford
University Press, Oxford, Seventh Edition 1982, Reprinted 1989.

 

Kompakter definiert er dort (mit weiterer Ausführung) die Aquakultur so:

Aquaculture is the production of aquatic plants and animals under controlled or semicontrolled conditions, or as is sometimes said, aquaculture is equivalent to underwater agriculture

[...]

A primary goal of aquaculturists has been to produce food for human consumption.

[...]

Supplementing the human food supply is not the only goal of aquaculturists.

 

Der Begriff "Aquakultur" lässt sich weiterhin darauf zurückführen, daß mit einer bestimmten Zielsetzung das Wasser oder ein Gewässer genutzt wird. In der allgemeinen Praxis ist dieses immer damit verbunden durch bewusste Pflege und Kontrolle Lebensbedingungen für Wasserorganismen zu schaffen. In der Regel geht es um eine Wirtschaftlichkeit in der Produktion von Wasserlebewesen.

Bisher fallen aber gewisse Aspekte völlig heraus, so z.B. auch medizinische. Die Zucht von Blutegeln fällt als weiteres Beispiel den bisherigen Definitionen nicht einmal widersprechend ebenfalls in die Aquakultur, ebenso auch die Produktion von Schädlingsbekämpfern (z.B. Gambusia gegen Mosquitos). Ebenso ist der Betrieb von "Angelpuffs" als [perverser] Teil der Aquakultur zu sehen.

Eine Wirtschaftlichkeit, welche sich i.d.R. durch eine Gewinnerzielungsabsicht äußert, ist nicht zwingende Voraussetzung für die Begrifflichkeit, da auch die private Aquaristik darunter fällt und somit der gesamte Bereich der hobbyistischen Liebhaberei.

 

. . .

 



Alle Rechte vorbehalten!

FIBERI - Fisch(erei) Beratung Ritter 2018
Inhalt
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
powered by CMSimple / pimped by FIBERI / best with Waterfox @ Desktop

FIBERI - Fisch(erei) Beratung Ritter 2003 - 2018
Nicht-pflicht. Inhalte ohne Gewähr!
Alle Rechte vorbehalten!
fiberi.de