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100 Jahre Fischheilkunde in Deutschland?!

Zur Situation der Heilkunde bei Zierfischen in Deutschland - 10 Jahre später

 

2007:

Die Fischheilkunde, welche besonders bei Zierfischen im Dienstleistungsrahmen der Tierärzteschaft noch immer einen Randbereich darstellt, kann in Deutschland auf eine Geschichte zurückblicken, die zumindest in ihren Ansätzen bis ungefähr in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück zu verfolgen ist.


Im Jahre 1904 veröffentlichte der Zoologe und Fischkundler Bruno Hofer das erste deutsche Lehrbuch über Fischkrankheiten, welches er zwar primär an die praktischen Fischzüchter adressierte, da "[...] das intensivere Studium der Fischkrankheiten aus den praktischen Bedürfnissen der in den letzten Jahrzehnten so mächtig aufstrebenden Fischzucht hervorgegangen ist [...]" (Hofer, 1904), dennoch war es sein Bestreben, in gleichwertiger Weise seine Fachkollegen mit diesem zum ersten Mal geordneten und kritisch gesichteten Material anzusprechen. Er hegte dabei die Hoffnung "[...] dass das Studium der Fischkrankheiten, welches bisher mangels einer entsprechenden Basis nur von wenigen Forschern betrieben worden ist, in Zukunft größere Anteilnahme wissenschaftlicher Kreise erregen [...] wird [...]" (Hofer, 1904). Vor dieser ersten Publikation bestand das weit verstreute Material "[...] überwiegend aus gelegentlichen Mitteilungen von Zoologen, die etwa eine Abnormität beschrieben oder einen Parasiten - und die sich dann fast nur für diesen interessierten und kaum für den Fisch, den er bewohnte [...]" (Plehn, 1924).


An das Handbuch von Marianne Plehn (1924), welche als langjährige Mitarbeiterin Hofers dessen Idee zunächst fortführte, schlossen sich zeitlich weitere zusammenfassende Publikationen an, unter denen insbesondere neben vielen Einzelpublikationen die Lehrbücher von Schäperclaus (1990), Reichenbach-Klinke (1980) und Amlacher (1992) zu nennen wären. Diese zählen zumindest in ihren zuletzt erschienenen bzw. erhältlichen Auflagen immer noch zu den einführenden Standardwerken in der fischheilkundlichen Ausbildung. Aktuellere Werke finden sich u.a. bei Hoffmann (2005), sowie Baur und Rapp (2003).


Obwohl mit fortschreitender Technik die Grundlagenforschung in der Fischbiologie und Tiermedizin immense Fortschritte macht, ist der eigentliche Zeitraum, in welchem die Fischheilkunde in Deutschland anzusiedeln ist, mit ca. 100 Jahren recht kurz. Frühe Erkenntnisse über Fischkrankheiten sind bereits in Ägypten ca. -1450 und weitere bibliographische Werke zu Fischparasiten ab ca. -330 zu finden (vgl. Snieszko, 1975).

[...]

Literatur:

Einen Einstieg bieten Jan Wolter und Frank Mutschmann mit ihrem Kapitel "Zierfische" in "Krankheiten der Heimtiere", Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2005, Fehr u.
a. (Hrsg.).

Der an Zierfischen interessierte Tierarzt kann mit dem Buch "Self-Assessment Colour Review of Ornamental Fish" von Lewbart (Manson Publ. Ltd, 1998) hervorragend überprüfen, ob und in wie weit er über die nötigen fachlichen Grundkenntnisse in der Fischheilkunde verfügt.

Umfassende Grundlagen zur allgemeinen Aquaristik mit fachlichen Informationen zur Anatomie, Physiologie, Ernährung, Genetik, Verhalten etc. finden sich in dem Buch "Aquariology - The Science of Fish Health Management" von John B. Gratzek, Master Volume, Tetra Press, 1992.

Wichtige Grundlagen und weitergehende In formationen zu den Bereichen Fischphysiologie und Fischkrankheiten finden sich u. a. bei Hoar, Randall und Farrell (1969-2007), Evans (1993, 1998), Evans und Clairborne (2006), Stoskopf (1993), Noga (2000), Wildgoose (2001), Snieszko und Axelrod (1970-1980).

 


 

2017:

 

Zur Geschichte der Fischheilkunde

Hofer veröffentlichte 1904 allem Anschein nach nicht nur das erste deutsche Fachbuch zum Thema Fischkrankheiten, sondern damit evtl. weltweit das erste, so schreibt Plehn (1924):

Dem Andenken Bruno Hofers, des ersten Erforschers der Fischkrankheiten, ist dies Buch gewidmet [...]

und Mawdesley-Thomas (1972a):

Apart from a few isolated and sporadic records in the older literature, the study of diseases of fish is a recent scientific preoccupation. The three earliest books which appeared during this century were German by Hofer, Roth and Plehn, and all are still much in evidence today.

Plehn (1924, weitere INFO) fand bereits 2007 Erwähnung und Roth (1913, weitere INFO) erschien damals nicht weiter erwähnenswert, da es sich hierbei nur um die Publikation eines anscheinend tiermedizinischen und fischkundlichen Laien ("Dr. med.") für Zierfischhalter als deklarierte Zielgruppe handelt (= Hobbyliteratur) und seine Ausführungen basierend auf Hofer und "eine Anzahl im Laufe des letzten Jahrzehnts in verschiedenen Aquarienfachschriften veröffentliche Aufsätze des Verfassers" (s. Vorwort) nichts Grundlegendes beitrugen. Bei einer aufgeschlossenen Vertiefung der Zierfischheilkunde aus geschichtlicher Sicht, ist diese Quelle allerdings ergänzend durchaus interessant.

 

Snieszko (1975) schreibt:

Although most developments in fish medicine are relatively recent, McGregor compiled a bibliography on fish parasites and diseases that began with the year 330 B.C. Mawdesley-Thomas reached back even further - to 1450 B.C. - and reproduced an Egyptian painting of tilapia with a grossly enlarged abdomen. The history of fish pathology was recently reviewed by Snieszko.

Bei genauerer Betrachtung von McGregor (1963) fällt auf, daß die bibliographischen Daten sich, mit einigen Ausnahmen zum 17. und 18. Jahrhundert, auschließlich auf das 19. und 20. Jahrhundert beziehen. Er benennt aber auch Aristoteles:

Aristoteles.
330 B. C. De Historia Animalium. Published in 50 volumes.
(A Pennella sp. on the tunny and swordfish).

und Athenaeus:

Athenaeus.
200 A. D. "The Learned Men at Supper". A compilation
on fish, etc., including Aristotle's account of tunny and swordfish.

Interessanterweise war Snieszko aber durchaus bewußt, daß es hier gar nicht viele besonders alte Quellen gibt, denn er schrieb bereits zur gleichen Sache und Referenz zuvor an anderer Stelle (1972):

Anyone exspecting to find there a wealth of publications on fish pathology more than 100 years old will be disappointed.

 

Mawdesley-Thomas (1972b) zeigt in der von Snieszko referenzierten Quelle auf S.192 ein Bild, in welchem mit einem weißen Pfeil speziell auf ein Objekt hingewiesen wird (hier rot markiert und vergrößert), mit der hier folgenden Bild-Unterschrift:

Zur Situation der Heilkunde bei Zierfischen in Deutschland - 100 Jahre Fischheilkunde in Deutschland - Mawdesley-Thoma-1972-Belegbild

FIG. 1. Tomb painting from Thebes schowing ? Tilapia nilotica with an enlarged abdomen

 

Er schreibt dazu:

In one mastaba (tomb) painting from Thebes, dated approximately 1450 BC, a fowling and fishing scene is depicted. [...] At the lower edge of the painting is a fish (? Tilapia nilotica) with an enlarged abdomen (Fig. 1). This could be the first graphical representation of an intra-abdominal tumour, although a more probable diagnosis is one of a gravid hen fish.

und begründet damit selbstständig die Fragwürdigkeit der Darstellung und damit auch ihrer Gültigkeit als inhaltlicher Beleg. Es lässt sich zwar durch fehlende Extremitäten und Position zum mutmaßlichen Boot vermuten, daß es sich um einen Fisch handelt, allerdings alle anderen Mutmaßungen sind äußerst fraglich! Vielleicht war die Erwähnung aber auch nur auflockernd cum grano salis gemeint!?!

Im Weiteren bezieht sich Snieszko auf seine eigenen Arbeiten von 1972 und 1973.

Eine kurze Beschreibung der "fischparasitologischen Geschichte" geben auch Blancou & Kinkelin (2010) und eine ausführliche Darstellung zur Entwicklung der "Fischgesundheit" in den USA (mit internationaler Relevanz) bis 1969 zeigt Mitchell (2001).

 

Insgesamt, wenn man eine gewisse grundsätzliche Plakativität bei historischer Deklaration ignoriert, gestaltet es sich aber stets interessant zu versuchen die Quellen der Fischheilkunde genauer zu verfolgen.

Grundsätzlich sind "alte" Quellen (so zumindest der letzten 70 Jahre) auch nicht zu vernachlässigen, da viele Informationen über die Zeit und durch Revisionen oder grundsätzlich fehlende Neu-Auflagen einfach in Vergessenheit geraten, aber dadurch nicht unbedingt ihre Nutzbarkeit verlieren und so als durchaus sinnvoll wiederentdeckt werden können!

 

Zur Literatur

Die Lehrbücher von Schäperclaus (1990, weitere INFO), Reichenbach-Klinke (1980) und Amlacher (1992, weitere INFO) gehören (neben vielen Weiteren) mindestens in ihren letzten Auflagen immer noch in jede gute Fach-/Hausbibliothek! (Bereichernd ergänzend zu neueren Werken, wie z.B. Roberts, 2012)

Schäperclaus (1899 - 1995, weitere INFO) wandte sich in seiner 1. Auflage (1935, 72 Seiten, zzgl. Bild-Tafeln) noch ausdrücklich den Aquarienfischen zu, erst später rückte die Teichwirtschaft mehr in den Mittelpunkt. Amlacher (1922 - 2009) weist im Vorwort seiner 6. Auflage darauf hin, daß diese seine letzte sein würde und entgegen des Publikationsdatums nur einen Literaturstand von 1988 aufzeigte. Reichenbach-Klinke veröffentlichte separat einen "Bestimmungsschlüssel zur Diagnose von Fischkranheiten", welcher auch Einzug in die Hobby-Literatur gefunden hat (bei: Untergasser, 1989, 2006). Dieser "Bestimmungsschlüssel" basierte in seiner 1. Aufl. (1969) auf der 1. Aufl. von "Krankheiten und Schädigungen der Fische" (1966) und wurde für eine eigene 2. Auflage (1975) überarbeitet.

Zu Bauer & Rapp (2003) folgte 2010 unter neuem Titel eine thematisch erweiterte Neuauflage und von Hoffmann (1941 - 2016), der im direkten Anschluss den Ursprungsartikel von 2007 "aus universitärer Sicht" kommentierte, ist nun leider auch kein weiterer Beitrag mehr zu erwarten.

Lewbart hat mit seiner "Self-Assessment Colour Review" (SACR), welche als generelle Reihe auch andere Themenbereiche (Tierarten) abdeckt, ein nützliches Instrument zur einfachen (aber nicht abschließenden!) Selbstprüfung in der Fischheilkunde geschaffen, im Weiteren beschäftigt er sich auch mit Wirbellosen (2006/2012) und hat in einer Neuauflage seiner SACR Zierfische und aquatische Wirbellose thematisch zusammengeführt (2017).

Gratzeks "Aquariology" (weitere INFO) wurde parallel auch "zerstückelt" (in seine Einzelkapitel zerlegt) in verschiedenen Teil-Bänden publiziert, hier sollte nach Möglichkeit gleich das "Master Volume" bezogen werden.

Die "Fish-Physiology" - Reihe (weitere INFO) wird weiterhin fortlaufend produziert und bietet verschiedene Themenbereiche, zu den einzelnen Themen gibt es evtl. auch anderweitig publizierte Monographien, die durchaus einen vergleichenden Blick wert sind. Als sehr interessanter Vorläufer dieser Reihe lässt sich ergänzend Brown (1957, weitere INFO) ansehen.

Evans´ "The Physiology of Fishes" ist 2014 in seiner 4. Auflage herausgekommen und es lohnt sich hier alle Auflagen parallel zu besitzen. (weitere INFO)

Stoskopf hat sein "Fishmedicine" 2010 noch einmal nachdrucken lassen, als inhaltlich unverändertes, 2 bändiges Taschenbuch (www.lulu.com).

Nogas "Fish Disease - Diagnosis and Treatment", ist 2010 in neuer, 2. Auflage erschienen.

Der Vorläufer von Wildgooses "BSAVA Manual of Ornamental Fish" ist die von Butcher (1992) editierte 1. Auflage.

Zu der Snieszko & Axelrod-Reihe "Diseases of Fishes" finden sich HIER weitere Informationen.

Einführende Kapitel (weitere INFO) in Übersichtswerken, wie z.B. bei Wolter & Mutschmann dürfen nur als oberflächliche Basis zur darauf zwingend folgend weiteren Vertiefung gesehen werden, es wird problematisch, wenn Praktiker sich allein auf diesem Niveau dazu befähigt sehen wollen Tiere zu behandeln!

 

 

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Im Studium nach wie vor Randbereich?!



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