FIBERI - Fisch(erei) Beratung Ritter 2018




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Eine Handvoll Fachtierärzte für Millionen Fische?!

Zur Situation der Heilkunde bei Zierfischen in Deutschland - 10 Jahre später

 

2007:

In Deutschland gab es laut Statistik der Zentralen Tierärztedatei im Jahre 2005 insgesamt 22 Fachtierärzte für Fische (25 im Jahr 2004, 26 im Jahr 2003, s. DTBl. 11/2006, S. 1348). Bei einer geographischen Durchschnittsverteilung von ca. einem Fachtierarzt pro 16 250 tkm2 lässt sich folglich nicht von einer flächendeckenden Versorgung sprechen. Dem gegenüber stehen nach Angaben des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e. V. (ZZF, 2005) im Jahre 2005 insgesamt 3,23 Millionen Aquarien und Gartenteiche mit Fischen in Deutschland. Diese sind mit einer Verteilung auf acht Prozent der Haushalte an zweiter Stelle hinter den Hundehaltern (13,4 Prozent) und anhand der Anzahl der Einzelindividuen aufgrund einer üblichen Mehrfachbesetzung sicherlich an erster Stelle zu sehen. Insgesamt ist tendenziell eine Steigerung in Anzahl oder individuellem Wert der Fische anzunehmen; so wurde 1977 der Wert für importierte Zierfische auf 18 Millionen DM geschätzt, 1993 schon auf 100 bis 150 Millionen DM (Reichenbach-Klinke und Körting, 1993).

Im Rahmen einer zehnjährigen Untersuchung an der damaligen Klinik für Fischkrankheiten der Tierärztlichen Hochschule Hannover ließ sich zwischen 1990 und 1999 ebenfalls ein Zuwachs der behandelten Fische um 229 Prozent feststellen, die Anzahl von anfänglich 70 Patienten stieg auf 237 an (Rheker, 2001). Die in Deutschland gehaltenen Kaltwasserzierfische, insbesondere Koi-Karpfen, aber auch Goldfische oder Orfen stellten dabei den größten Anteil (Rheker, 2001).

 


 

2017:

 

Zur Statistik

Der ZZF e.V. (2017) gibt in seinen Umsatz- und Strukturdaten für 2016 an, daß 44% aller Haushalte Heimtiere mit einer Gesamtzahl (ohne Zierfische und Terrarientiere) von 31,6 Mio. besitzen, daneben befinden sich in 4% aller Haushalte 2 Mio. Aquarien und 1,6 Mio. Gartenteiche. Dem stationären Handel schreibt er einen Umsatz für Zierfisch-Zubehör von 182 Mio. € und für Zierfischfutter in Höhe von 56 Mio. € zu. Der Gesamtumsatz des Internethandels zu allen Heimtieren wird auf ca. 510 Mio. € geschätzt.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) gibt als vorläufigen Wert für 2016 bei lebenden Süßwasserzierfischen an:

Ausfuhr: 3.679 Tsd. Euro
Einfuhr: 13.535 Tsd. Euro

Die Anzahl der Fachtierärzte und qualifizierten Spezialisten ist fragwürdiger, da die Gebietsbezeichnungen aus 2006 schon wegen Daten-Fehlern korrigiert wurden (s. DTBl 11/2007) und der "Grüne Heinrich" (zum Namen s. DTBl 10/2003) aufgrund nachhaltiger und anscheinend unauffindbarer Fehlerquellen deren statistische Darstellung eingestellt hat (s. DTBl 5/2016).

Es ist allerdings anzunehmen, daß es weit weniger qualifikations-versierte Praktiker für den Bereich (Zier-)Fische, als für "Hund, Katze, Maus" gibt.

 

Zur Tierarzt-Verteilung

Ein interessantes Bild lässt sich gewinnen, wenn man als rein technisches und nicht repräsentatives Beispiel die Daten des "Tierärztverzeichnisses" des "Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V." im Rahmen ihrer online verfügbaren "Tierarztsuche" betrachtet.

Zunächst ist anzunehmen, daß diese Datenbank nicht alle deutschlandweit praktizierenden Tierärzte erfasst, sondern evtl. höchstens nur die Vereinsmitglieder und unter denen, insofern datenschutzkonform auch auschließlich nur jene, welche sich freiwillig eingetragen haben (bzw. haben lassen). Die Ergebnisse werden mit dem Vermerk "Alle Angaben beruhen auf Selbstauskünften" dort zunächst nur unverbindlich ausgegeben.

 

Die Suchmaske differenziert kombinierbar

folgende 15 Suchparameter für Tiergruppen ("Tierarten"):

01) Hunde, Katzen
02) Kleine Heimtiere (z.B. Kaninchen,Nager,Frettchen)
03) Kleine Ziervögel
04) Papageien
05) Ziergeflügel, Tauben
06) Zierfische
07) Reptilien
08) Pferde
09) Schweine
10) Rinder
11) Schafe, Ziegen
12) Nutzgeflügel
13) Nutzfische
14) Wildtiere
15) Zootiere

sowie im Weiteren zusätzlich folgende 5 Kategorien:

01) Zuchthygienische Untersuchung auf Patellaluxation bei Hunden
02) Zuchthygienische Untersuchung auf PKD bei Katzen
03) Bestandsbetreuung Rind
04) Bestandsbetreuung Schwein
05) Hygieneberatung für Lebensmittelbetriebe

 

Es werden bei entsprechender Suche folgende Ergebnisse ausgegeben (Stand: 16.08.2017):

0386 Einträge für "Zierfische"
0076 Einträge für "Nutzfische"
0057 Einträge für "Zierfische & Nutzfische"

2466 Einträge für "Hunde/Katzen"
2404 Einträge für "Kleine Heimtiere"
2398 Einträge für "Hunde/Katzen & Kleine Heimtiere"

0381 Einträge für "Hunde/Katzen & Zierfische"
0382 Einträge für "Kleine Heimtiere & Zierfische"
0381 Einträge für "Hunde/Katzen & Kleine Heimtiere & Zierfische"

sowie:
0019 Einträge für alle 15 Tiergruppen
0000 Einträge für alle 20 Parameter

 

Bei weiterer Verfolgung der Zierfisch-Bewerber hier muss sich der Betrachter wohl einer "Glaubensprüfung" stellen, da es i.d.R. nicht ersichtlich ist, ob die Leistungsanbieter tatsächlich (Grund-)Kenntnisse besitzen oder Zierfische (und/oder entsprechend Weiteres) einfach "mal mitnehmen". Es werden in fast allen Einzelfällen allerdings auffällig viele, bis evtl. hin zu allen Tiergruppen parallel deklariert. Dagegen grundsätzlich positiv erscheint ein Tierarzt, der ausschließlich Zierfische behandeln will.

Insofern die Bewerber unter den Praxisdaten auch eine Internet-Seite anbieten, ist es interessant zu vergleichen, ob dort parallel auch Zierfische mindestens überhaupt erwähnt werden. Im Positiv-Fall wäre aber sicherlich darin auch kein Garant für tatsächliche Kompetenz zu sehen!

 

Aus Betrachtung der Hobby-"Szene" ergibt sich, daß die meisten "Spezialisten" sich anscheinend auf Koi-Karpfen konzentriert haben, bzw. evtl. hier (mutmaßlich aus lukrativen Gründen) nur einen exklusiven Service für diese Patienten-/Kunden-Gruppe anbieten.

Bei Betrachtung der hier in Koi-Karpfen-Kreisen aktiv "gehandelten" Daten und Leistungskritiken zeigt sich "eine Hand voll" Tierärzte (zumeist Fachtierärzte für Fische) als etabliert. Bei genauerer Verfolgung scheint unter diesen das gesamte Bundesgebiet aufgrund evtl. angebotener indivdueller und überregionaler Mobilitäts-Bereitschaft mehr oder minder aufgeteilt, bzw. abgedeckt zu sein. Mindestens grenznah werden auch die Leistungen von spezialisierten Tierärzten z.B. aus Österreich oder Belgien/Niederlanden in Anspruch genommen. Ebenso haben sich für Koi-Karpfen auch sogenannte (bzw. grundsätzlich selbsternannte!) "Tierheilpraktiker" etabliert!

 

Zur "Gewerbe-Prostitution"

Sehr suspekt ist jedenfalls bei tiefergehender Betrachtung aller tierärztlichen Praktiker mit welcher Selbstverständlichkeit der "Freiberuf" Tierarzt (vgl. Taupitz 1989/1991), mittlerweile wohl eher zum "Tierarzt-Gewerbe" pervertiert erscheinend, grundsätzlich auftritt. Beim parallelen Betrieb von Zubehör-/Futterhandel und Verkauf freier Medikamente (insb. im Fernabsatz, ohne Diagnose-Stellung), sowie Firmierungen als "Tierärztliche Online Hausapotheken" [!] (vgl. LG Ulm - 11 O 65/08 KfH / s.a. KPMG, 2014) und Gründungen von (Handels-) GmbHs (sowie evtl. sonstiger werblicher Interaktion mit weiteren Gewerbebetrieben), ist es fragwürdig, ob in logischer Konsequenz der tierärztliche Beruf nicht insgesamt zum Gewerbe erklärt werden sollte (sine grano salis!), da mindestens hier ein "höherer Anspruch" (welcher Art auch immer, aber mindestens "höher" als eine gewerbebegründende Gewinnerzielungsabsicht - vgl. §1 Abs.2 S.1 PartGG) nicht mehr erkennbar ist!

2007 ließ sich noch spotten warum ein "Fisch-Tierarzt" kein Kochsalz (welches bei Fischen ein hochwirksames primäres Therapeutikum und sekundäres Diätetikum darstellt!) "verschreibt" - ... eben weil sich damit kein Geld er-"dispensieren" lässt! - Heute haben "die Gewerbe-Tierärzte" gleich eigene gewerbliche Produktlinien!

Eine Trennung von Tierarzt und Händler ist zu oft nicht möglich (und anscheinend aus Werbungsgründen auch nicht gewollt) und mindestens daher erscheint die berufliche Leistung unter ggb. Bedingungen öfter als im Einzelfall äußerst fragwürdig und der Berufsstand von einer echten Professionalisierung damit äußerst weit entfernt! Es kommt dabei nicht mehr ausschließlich auf den widerrechtlichen Verkauf verschreibungspflichtiger Medikamenten (s. Janovsky, 2007) oder tiermedizinisch-wissenschaftlich nicht begründbarer Impfungen und Placebos (sogenannte Homöopathika etc.) an, sondern die tatsächliche Gewerblichkeit, bzw. Gewerbeabsicht!

Aus ethologischer Sicht ist so manche/r Praktiker/in in jeweiliger Selbstdarstellung, bis hin zur marketingtechnischen Selbst-Ikonisierung doch recht amüsant (besonders im Koi-Karpfen-Bereich), aber ggf. hier leider sachlich längst nicht mehr überzeugend. Ebenso ist die Vorstellung, daß gezeigtes Werbeverhalten fruchtbar sei im Hinblick auf den damit angesprochenen Plebs und seine damit als gering ausgewiesene kognitive Kapazität, nicht erfreulich, eher tief besorgniserregend!

 

 

weiter:

Gefährliche Realität: Therapie durch Laien?!



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