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Fisch ist nicht gleich Fisch?!

Zur Situation der Heilkunde bei Zierfischen in Deutschland - 10 Jahre später

 

2007:

Bei der Behandlung von Fischhankheiten, gerade bei Zierfischen, gibt es verschiedene spezifische Probleme. Zunächst einmal muss man differenzieren, ob es darum geht, im Rahmen der Betreuung eines größeren Gesamtbestandes, z. B. bei Händlern oder Importeuren, einige Tiere für eine ordentliche Diagnose zuerst auf ihre objektive Rolle als Krankheitsträger reduziert, labortechnisch zu untersuchen oder das vom Tierhalter als individuelles Lebewesen geschätzte Haustier lebenserhaltend von seiner Krankheit zu befreien. Zudem muss die Diagnose ausschließlich auf ihren objektiven Wert reduziert werden, was sich in der Praxis als äußerst schwierig erweisen kann, da der Fachmann ggf. auch auf subjektive Angaben des Laien angewiesen ist.

Der Anamnese kommt eine entscheidende Rolle zu, da hier die oft das Auftreten von Krankheitssymptomen bedingenden biologischen, chemischen und physikalischen Außenfaktoren festzustellen sind. Für eine durchgehend fachgerechte Diagnose ist im Optimalfall nicht nur die Inaugenscheinnahme des Patienten in der Praxis von Nöten, sondern entsprechend die Analyse des gesamten Haltungssystems vor Ort zwingend notwendig.

Weiterhin ist der Ausbruch von Krankheiten und deren Heilungschancen inklusive der entsprechenden Immunantwort (vgl. Anderson, 1974; Iwama und Nakanishi, 1996) gerade bei Fischen sehr abhängig von biotischen und abiotischen Faktoren und durch sie bedingte Stressung (vgl. Selye, 1950; Snieszko u. a., 1976; Mazeaud u. a., 1977; Peters, 1988; Wendelaar Bonga, 1997; Lehmann, 1998; Hamers und Schreckenbach, 2002), sowie von bedarfsgerechter Ernährung (vgl. Blazer, 1991; Lall, 2000). Oft finden alternative Heilungsmethoden, wie sie im Falle der Ichthyiophthiriasis z. B. Bauer (1991) oder Bodensteiner (2000) empfehlen, keine Anwendung.

Leider erscheint die Applikation eines chemischen Heilmittels wie z. B. "Malachitgrün" insbesondere dem Tierhalter oft einfacher und mögliche Folgen, v. a. schwerwiegende Organschädigung (vgl. Srivastava, 2004), bleiben unbeachtet. Der spezialisierte Fachmann sollte stets in der Lage sein, allen wichtigen Umständen entsprechend die optimale Therapie an bieten zu können.

 


 

 

2017:

 

Zum Gesundheits-Begriff

 

Fisch ist Fisch und Fleisch ist Fleisch!

... aber "Fischgesundheit" ist nicht gleich "Fischgesundheit"!

 

Die Begrifflichkeit der „Fischgesundheit“ wirft auch bei oberflächlicher Betrachtung zunächst schon die Frage nach der „Gesundheit“ an sich und ihrer gesellschaftlich etablierten Definition auf!

Die WORLD HEALTH ORGANIZATION (WHO, 1946) definiert diese so:

Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity

Die moderne Medizin (Pschyrembel, 2007) verfolgt anscheinend dieses Verständnis als:

Das subjektive Empfinden des Fehlens körperlicher, geistiger und seelischer Störungen oder Veränderungen bzw. ein Zustand, in dem Erkrankungen und pathologische Veränderungen nicht nachgewiesen werden können

Da sich die Definition der WHO explizit auf den Menschen (der direkten Nachkriegszeit) bezieht und daher zu unserer Definitionsfindung lediglich als abstrakte Vorlage dient, die im moderneren (vielleicht auch zunehmend holistisch geprägten) Verständnis sogar noch einen besonderen „spirituellen“ Betrachtungsschwerpunkt auf „psychosoziale“ Aspekte legt (Larson, 1996), lässt sich zunächst nur feststellen, daß Gesundheit mehr sein muss, als das einfache Gegenteil, bzw. die einfache Abwesenheit von Krankheit. Vielmehr bedeutet sie darüber hinausgehend einen Zustand des subjektiven Wohlbefindens des Individuums (für uns hier: des Tieres), welches eine gewisse Vollständigkeit aufweisen muss, ein Aspekt, der sich zunehmend in der Betrachtung von "Environmental Enrichment" manifestiert. (s. z.B. Näslund & Johnsson, 2016 / Gerber u.a., 2015 / Corcoran, 2015 / Wilkes, 2011 / Strand u.a., 2010 / Williams u.a., 2009)

In der Tiermedizin (Wiesner & Ribbeck, 2000) erscheint die Gesundheitsdefinition ähnlich, als:

Form des Lebens, die sich durch selbstregulierende Konstanterhaltung der artspezifisch determinierten Strukturen und Funktionen gegenüber äußeren und inneren Einflüssen auszeichnet und die ihren Ausdruck in physischem und gegebenenfalls psychischem und sozialem Wohlbefinden findet

Aktuelle Ansätze zum tierischen Wohlbefinden sind insbesonders aus der fortlaufenden Tierschutz-Diskussion entnehmbar, da nach dem deutschen Tierschutzgesetz (weitere INFO) ausdrücklich neben dem Leben auch das „Wohlbefinden“ des Tieres zu schützen ist.

Als der größte anzunehmende Schaden, der einem Lebewesen zugefügt werden kann, ist wohl aufgrund seiner Irreversibilität der Tod anzusehen! (vgl. Lorz & Metzger, §1, Rn. 54)

Am Beispiel des sogenannten "Fischgesundheitsdienstes" in der Aquakultur lässt sich erkennen, daß es dort nicht wirklich um die (individuelle) Gesundheit der Fische geht, sondern um "Produktsicherheit" und "Qualitätssicherung" für den Menschen!

Im Rahmen einer echten "Tier-Medizin" kann kein Individuum geopfert oder übermäßig geschädigt werden um einen Bestand zu sichern, da es teleologisch zunächst analog zur "Medizin" immer um das Wohlbefinden des Einzelnen geht!

 

Zur Konsequenz "echter Fischgesundheit"

Bezüglich einer möglichen Professionalisierung muss sich der Heimtier-Tierarzt die Frage stellen, ob er zunächst tierisches Leben und tierische Gesundheit individuell schützen oder Industrie & Verbraucher (und/oder sich selber) zufriedenstellen will!

Ein wichtiger Aspekt, besonders auch in der "fachtierärztlichen" Praxis, bestünde die Therapie in der Übertragung von prinzipiellen Bestandsbehandlungen aus der Aquakultur auf Gartenteiche und ganze Aquarien und begründete damit mindestens keine sachliche Kompetenz. Hier wiederum aktiv unprofessionalisierend böte sich möglicherweise ebenfall ein größerer gewerblicher Gewinn beim Verkauf eigenvertriebener Handelsgüter, so im Besonderen auch direkt im Fernabsatzgeschäft!

Im Vergleich würden Katzen und Hunde sicher nicht in leeren, gekachelten Räumen evtl. überbesetzt massengehalten und aufgrund einzelner oder fehlender Diagnose durch Raumbegasung gesamt-behandelt, bzw. "desinfiziert" werden! Exemplarische Extrema lassen sich in der Discus- (Symphysodon sp.) und Koi-Karpfen-Haltung (Cyprinus carpio) mitunter als vermeintlicher Standard finden! Hier muss man eigentlich den Begriff der "Haltung" konsequent durch den der "Hälterung" ersetzen, da hier zu oft kein Bezug mehr zu einer art- und bedürfnisgerechten "Pflege" zu sehen ist!

 

 

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Tierärzte sollten sich ihre Vorbildfunktion bewusst machen?!



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