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Tierärzte sollten sich ihre Vorbildfunktion bewusst machen?!

Zur Situation der Heilkunde bei Zierfischen in Deutschland - 10 Jahre später

 

2007:

In der Medizin ist aber eben (leider) häufig auch die Erwartungshaltung des Betroffenen von entscheidender Bedeutung bei einer Therapie (vgl. Koch, 1999). Die Therapie und vor allem die vorhergehende Diagnose stellen eine große Herausforderung dar, da Zierfische meist unter tierschutzrechtlich fragwürdigen Umständen importiert bzw. transportiert werden und somit stets der Aspekt einer generellen stressbedingten Vorschädigung, sowie weitreichende Antibiotikaresistenzen mit einzubeziehen sind (vgl. Svobodova u. a., 1999; Wöhr u. a., 2005; Froese, 1988; sowie Siesenop und Böhm, 1998).

Im Hinblick auf einen langfristigen und vor allem gesundheitserhaltenden Schutz des Tieres sollte die Tierärzteschaft eine Vorbildfunktion erfüllen, da das Laiensystem mit seinen beschränkten Möglichkeiten genau verfolgt, wie die Fachleute vorgehen und diese Methodik meist falsch oder völlig unreflektiert übernimmt und pauschal weitergibt. Gerade deshalb ist die Notwendigkeit einer auf Kompetenz und Evidenz basierenden Tiermedizin (vgl. Cockcroft und Holmes, 2003) gegeben und der Aspekt einer notwendigen fach- und situationsgerechten Didaktik im Kontakt zum Laien darf nicht unbeachtet bleiben, da hier der Tierarzt sich als Fachmann erweisen muss, der eben nicht durch ein freiverkäufliches Breitbandmedikament zu ersetzen ist.

 


 

2017:

 

Zum Verbrauchertum

Die Importbedingungen für Zierfische sind größtenteils nicht als "tierschutzrechtlich fragwürdig" anzusehen, hier läuft die Bezeichnung grundsätzlich fehl, sie sind aber aus "gesundheitlichen" Gründen äußerst fragwürdig!

Fische sind eine Massenware, bei der schon gewisse Verluste mit einkalkuliert werden oder evtl. sogar vorsätzlich akzeptiert sind. Eine "lebendige" Ankunft als argumentativer Ausschluss eines "Dead On Arrival"-Kriteriums ist auch nicht aussagekräftig, da auch eine verzögerte Sterblichkeit als verschlepptes "Delayed Mortality Syndrome" (s. Noga, 2010) zunächst nicht ausgeschlossen werden kann. Ebenso kann eine übermäßige oder sogar schon geringe Stressung auch nachhaltige (Vor-)Schädigungen (vgl. Schreck, 2000) oder mindestens ungünstige Einflüsse begründen, ein Umstand, der seit relativ kurzer Zeit auch innerhalb der fisch(erei)-ökologischen Stressforschung als "Carryover Effects" untersucht wird (z.B.: O´Connor u.a., 2010 / McConnachie u.a., 2012). Für eine mind. qualitative Überwachung könnte sich hier vielleicht eine non-invasive "Stressmessung" anbieten (vgl. Scott u.a., 2001 / Barreto & Volpato, 2004 / Ellis u.a., 2004 / Ellis u.a., 2007 / Martinez-Porchas u.a., 2009 / Lupica & Turner, 2010 / Ellis u.a., 2013 / Lübke & Wedekind, 2016), wobei auch weitere Faktoren zu beachten sind.

Es ist davon auszugehen, daß auch bei angeordneter Quarantäne die meisten Fische bereits wieder an den Endkunden verkauft sein werden, bevor der Händler eine mögliche Vorschädigung feststellen könnte und sicherlich wollte. Für jeden einzelnen Fisch Transportbedingungen zu schaffen, welche ihm eine "gesunde" Reise versichern sollten (insofern tatsächlich möglich), würden den Endkunden-Preis so hoch treiben, daß kein Massenverkauf mehr möglich wäre. Da dieses gesetzlich nicht verlangt wird und somit die eindeutig gesundheitswidrigen Bedingungen nicht unbedingt tierschutzwidrig sind, ist erneut ersichtlich, daß der Tierschutz und die Tiergesundheit zweitrangig sind neben den für den Menschen, bzw. von dem Menschen als höher eingestuften Verbraucher-Interessen!

Auf genaue Zahlen kommt es bei einer fischgesundheitlichen Betrachtung nicht an, da jeder Verlust einer zuviel ist, auf Grundlage des hier zu unterstellenden individual-medizinischen Anspruches eines jeden Tieres! Ebenso indiziert spätestens jeder einzelne lethale Schaden bereits mögliche weitere sublethale Schädigungen im Bestand!

Eine Vorbildfunktion könnte dahingehend ausgeübt werden zu versuchen fundiert (was wiederum auch tatsächliche Kompetenz voraussetzt!) die öffentliche Meinung zu beeinflussen keine Fische zu importieren, sondern die inländische (Liebhaber-) Zucht und selbstverständlich auch die grundsätzlich art- & bedürfnisgerechte Haltung zu stärken, sich gegen ein "Fisch-Verbrauchertum" zu stellen ("Und ist der Fisch kaputt [!], dann kauf ich mir nen neuen!" & "Haben wollen!") und ebenso mindestens auch selber tatsächlich dazu befähigt beizutragen, daß die Heimtierhaltung breitenwirksam auf einem höheren, als durch "Bilderbücher und Hörensagen" geförderten "Bildungs-Niveau" stattfindet! (Bei genauerer Betrachtung ergibt sich aber auch für den Tierarzt hier bisher nur der Anschein eines "Hörensagen"-Standards in der Fortbildung! - s. z.B. "Literaturliste": Schepers, 2015, 2016 / mit weiterem Verweis auf alle Praktiker, die keine ordentliche und stets aktuelle Fachliteratur besitzen, sondern sich sogar nur auf angebliche "(Pflicht-)Fortbildungs-Mitschriften" u.s.w. berufen!)

Im Prinzip spricht nichts dagegen den Endpreis eines Fisches zu verzehnfachen (Bsp.: 1 Guppy = 25-50 Euro) und damit auf dem vorherigen Handelsweg bessere Bedingungen zu schaffen! Liebhaberpreise für "besondere" Fische sind i.d.R. heute schon höher, hier ist bereits aus reinem Eigennutz des Halters von mehr Bemühen beim Transport auszugehen. Der Unterschied liegt hier vielleicht auch in dem Umstand, daß der höherpreisige Einzelfisch im Einzelfall nicht mehr als (unproblematisch ersetzbare) Massenware, sondern bestenfalls als mutmaßlich empfindsames Individuum wahrgenommen wird, bzw. werden kann, seine gesundheitlichen Bedingungen somit nicht mehr als Abstraktion abgewiesen werden können. Ein hoher Preis ist ohne Kontrolle aber auch kein Garant für bessere Bedingungen!

 

Zur Heilung

Im Bezug zu eventuell vorgeschädigten Patienten kommt es bei der (zier-)fischheilkundlichen Leistung umso mehr darauf an die biologischen Sachverhalte zu verstehen und nicht durch sinnlose oder rein symptomatische Behandlung bei dem Kunden evtl. nur den Anschein einer Besserung zu erzeugen!

Bei aller Pluralität und sich daraus ergebenden Paradigmen erscheint es stupiden Verbrauchern weiterhin schlüssig, daß derjenige, der heilt, auch Recht habe (vgl. Wiesing, 2004 / Ernst, 2009) ... da sie nicht bedenken (wollen), daß  im gleichen Kontext auch mindestens derjenige, der nicht heilt und weiß warum, ebenso Recht hätte!

ABER: Der "Heiler" selbst kann nie wirklich wissen ob er nun "heilt" oder nicht, vielmehr kann er höchstens Evidenzen prüfen und intepretieren. Für den sachlich gebildeten und bewußt verantwortungstragenden (= "reifen") Tierhalter stellt sich daher immer die Frage, ob sein Tier wegen oder trotz der Behandlung genesen oder evtl. final verstorben ist oder irgendwo dazwischen sich überhaupt etwas oder gar nichts geändert hat! Ihm bleibt nur skeptisch zu prüfen, ob Diagnose und Therapie evidenzbasiert, daher tatsächlich sinnvoll und letztendlich bestmöglich sind, was mit einem ehrlichen und tatsächlich kompetenten Praktiker nicht schwer sein dürfte!

 

 

weiter:

Fazit: Den Laien nicht das Feld überlassen?!



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