FIBERI - Fisch(erei) Beratung Ritter 2018




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Wichtig: Vertrauen aufbauen?!

Zur Situation der Heilkunde bei Zierfischen in Deutschland - 10 Jahre später

 

2007:

Aus vielen Gesprächen mit Zierfischhaltern ergibt sich - unabhängig von einer offenbar abwehrenden Grundeinstellung vieler Tierhalter - immer wieder verstärkt der Eindruck, dass auch durch Tierärzte das Vertrauen in eine fachgerechte Hilfestellung durch die Tierärzteschaft gestört wird, und zwar speziell durch solche Tierärzte, die über keine soliden Erfahrungswerte und daraus resultierende Kompetenz bei Fischen verfügen, aber dennoch entsprechende Dienstleistungen an bieten - häufig mit unbefriedigendem bis desolatem Ergebnis. Ein solches Verhalten trägt grundsätzlich nicht zur Vertrauensbildung bei, vielmehr schwächt es aktiv das Ansehen des Berufsstandes in der betroffenen Öffentlichkeit.

Obgleich sich approbierte Tierärzte, generell durch ihren Berufsstand geschützt, bei häufig geringem Gegenstandswert hier oft in einem zumindest juristisch relativ sicheren Bereich bewegen (Preuske, 2007; weiteres bei Althaus u. a., 2006), ist dieses Verhalten sehr fragwürdig. Zumindest ist die Möglichkeit der "unfachmännischen" Leidensvergrößerung für das Tier schon in berufsethischer Hinsicht zu hinterfragen.

 


 

2017:

 

Zur Tierarzt-Haftung

Ein Tierarzt muss nicht auf dem neuesten Stand fortgebildet sein, denn: "Von einem solchen könne nicht verlangt werden, daß er sich jede Neuauflage eines Lehrbuchs beschaffe und auf Änderungen überprüfe." (BGH - VI ZR 201/75). Das liegt aber auch grundsätzlich daran, daß ein Tierarzt (auch bezüglich seiner Aufklärungspflichten - OLG Celle, 1 U 29/88) nicht mit einem Arzt zu vergleichen ist, sondern mit einem "mit wertvollen Maschinen befaßten Techniker" oder einem "Kunstrestaurator" (BGH - VI ZR 201/75) und nicht zuletzt auch "das haftungsrechtliche Risiko für den Tierarzt geringer sein kann, wenn er ein Tier tötet, als eine riskante Behandlung zu versuchen [...] Jedenfalls ist es anerkannt, dass nach der sofortigen Tötung eines Tieres (nur) die Anschaffungskosten zu ersetzen sind." (Deutsch & Spickhoff, 2008). Eine solche Sichtweise ist auch schlüssig, da sich die wirtschaftliche und rechtliche Zweckrichtung der tierärztlichen Tätigkeit "[...] auf Sachen, ja vielfach „Waren“ bezieht, und deshalb - begrenzt nur durch die rechtlichen und sittlichen Gebote des Tierschutzes - weithin nach wirtschaftlichen Erwägungen richten muß [...]" (BGH - VI ZR 201/75). (Weiteres in einschlägigen Urteilen, insb. analog im Bereich "Pferde-Recht" und Grundsätzliches bei Bleckwenn, 2014; s.a. Knoop, 2009)

Bei den i.d.R. geringen Streit-, bzw. Sachwerten hat der gemeine Tierarzt wohl kaum ein tatsächliches Prozess- oder Haftungsrisiko zu befürchten! Im direkten Vergleich zum Arzt, der durch seine hohe juristischen Verantwortung gegenüber seinen Patienten und aufgrund des aus seiner Tätigkeit meist resultierenden Tatbestandes der Körperverletzung stets "mit einem Bein im Knast steht" (§§ 223 ff. StGB), sind die tierärztlichen Pflichten gegenüber den Kunden, in möglicher Divergenz zu deren Erwartungshaltung, welche in mind. fahrlässiger Verfehlung zunächst evtl. nur den Tatbestand der Sachbeschädigung begründen, auch grundsätzlich so gering, daß i.d.R. eine Haftung kaum erstreitbar und somit wenigstens eine "Angst vor Strafe" (vgl. Kohlberg & Hersh, 1977 / Reimer, J. u.a., 1990) kaum gegeben erscheint! (Allerdings hat das Online-Laiensystem - wenn erst einmal zum "Internet-Pöbel" weitermutiert - eigene, evtl. weitaus schädlichere Mittel. Hier muss sich ein "selbstbewusster" Dienstleister auch unbeeindruckbar zeigen!)

 

Zum Vertrauen

Wie offen und ehrlich geht der haftbare und gewerbsmäßige (= mind. einnahmen- und nicht zuletzt gewinnorientierte!) tierärztliche Unternehmer mit solchen Bedingungen um?

Sowohl der halterpflichtig-tiergesundheitliche Erfüllungsgehilfe (der Tierarzt) als auch sein Auftraggeber (der Tierhalter) müssen sich bewusst dazu entscheiden auf Grundlage ehrlicher Kommunikation und Wertevertretung sich gemeinsam gleichwertig respektierend auf ein tatsächliches Vertrauensverhältnis einzulassen, ob dieses überhaupt möglich ist hängt von den jeweiligen Individuen stets im Einzelfall ab. Ein Missbrauch kann auf beiden Seiten erfolgen!

Es kommt letztendlich darauf an welche ehrliche Gesamt-Kompetenz und grundsätzlich sozialen Werte sich in der situativen Interaktion zwischen individuellem Tierarzt und Tierhalter tatsächlich synergetisch kumulieren und in Konsequenz praktisch umsetzen lassen!

Wenn nun der Dienstleister Inkompetenzen hat, dann müssen die zuvor (vor Vertragsschluss!) geklärt und selbstverständlich auch in der späteren Berechnung beachtet werden! Dieses verlangt aber konsequente Ehrlichkeit und Selbstkritik und daher auch eine gewisse persönliche Reife, die nicht durch eine akademische Ausbildung erlangt wird!

 

Die Musterberufsordnung des "Bundestierärztekammer - Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Tierärztekammern e.V." sieht exemplarisch vor:

Sie [Niedergelassene Tierärztinnen und Tierärzte] können sie [eine Behandlung] insbesondere dann ablehnen, wenn sie der Überzeugung sind, dass zwischen ihnen und den Tierbesitzerinnen und Tierbesitzern oder deren Beauftragten das notwendige Vertrauensverhältnis fehlt.

 
Die einzige "Vertrauenswürdigkeit", die ein Kunde (der stets so genannte "Tierbesitzer") beibringen muss, ist zunächst nur seine grundsätzliche Zahlungsbereitschaft, nicht ein inhaltlich "blindes Gefolge" oder gar "Hörigkeit"! Die des Tierarztes ist im Weiteren fragwürdig! (Der eventuelle Versuch sich einer ordentliche Rechnungsausstellung zu entziehen und vor erbrachter Leistung eine Vorkasse und grundsätzlich Barzahlung zu verlangen, sowie evtl. dafür selbstrechtfertigend jedem Tierhalter pauschal eine "schlechte Zahlungsmoral" zu unterstellen oder unprofessionell Tiere zu Pfandsachen zu degradieren sind hier noch einige weitere Punkte.)
Es finden sich hier im Prinzip auch keine Einschränkungen zu den Grundsätzen der allgemeinen Privatautonomie ("Vertragsfreiheit")!

Das Vertrauen in einen abstrakten "Berufsstand", welches im Weiteren personal-oppositär als angeblich "fehlend" und missbräuchlich opportunistisch herangezogen werden kann, um Behandlungen zu verweigern oder laufende abzubrechen und damit "unbequeme" (evtl. "nur" kompetenzfordernde und/oder sachlich hinterfragende) Kunden loszuwerden und somit eine devastierende Absurdität darstellte, kann es nicht geben, ohne daß es vorher von allen Berufsanhängern vor Ort und entgegen des Anscheines einer kodifizierten Willkür geschlossen und nachhaltig verdient wurde!

 

Zur Pseudo-Ärztlichkeit

Darüber hinaus erzeugt ein Tierarzt, der sich oder seinen Beruf oder seine Stellung oder Fach-Kollegen als "Arzt" (oder "Facharzt", "Chef-Arzt/Ober-Arzt", "Koi-Arzt" etc. pp.) oder seine Tätigkeit in irgendeiner Form ausdrücklich als "ärztlich" (z.B. "Arzt-Zulassung", "Ärztekammer", "ärztliche Behandlung") benennt oder zuordnet (oder dieses im Rahmen der eigenen Weisungsbefugnis zulässt, so auch der "Klassiker": "Die Ärztin kommt gleich!"), das mögliche Bild im fälschlichen (und evtl. rechtswidrigen!) Vergleich mit einem völlig unabhängigen und eigenständig titel-geschützten (§132a, Abs.1, Nr.2 StGB) Beruf seinen eigenen nicht einmal richtig benennen zu können, obgleich seine Berufsbezeichnung schon durch den Namen der Bundestierärzteordnung unmissverständlich definiert und nach §2a der Bundesärzteordnung ausdrücklich ausgeschlossen ist!

§ 2a Bundesärzteordnung:
Die Berufsbezeichnung "Arzt" oder "Ärztin" darf nur führen, wer als Arzt approbiert oder nach § 2 Abs. 2, 3 oder 4 zur Ausübung des ärztlichen Berufs befugt ist.

... und ein "Tierarzt" bekommt keine Approbation als "Arzt", da bei ihm die fundierte Ausbildung als Voraussetzung fehlt (§3, Abs.1, Nr.4 BÄO), gleichsam bekäme auch ein Arzt keine Zulassung als Tierarzt (§4, Abs.1, Nr.4, BTÄO), allerdings ist hier bisher auch noch kein Fall bekannt geworden, in dem sich ein Arzt selber als Tierarzt bezeichnet oder eine solche Benennung gewollt oder geduldet hätte!

Ein solch mindestens unprofessionelles Verhalten dürfte aber bei dem durchschnittlichen "Tier-Verbraucher" in Ermangelung grundsätzlicher Reflektionsfähigkeit oder -Bereitschaft keine Befremdlichkeit auslösen und somit nachhaltig seine anscheinend angestrebte, aber völlig fehlleitende Werbewirkung behalten, es gibt nur schließlich den tierärztlichen Berufsstand der prinzipiellen Lächerlichkeit preis, da hier der Titelge-/missbrauch wie zu alten "Quacksalber-Zeiten" erscheint oder vergleichbar mit "Puppen-Doktoren" oder "KFZ-Ärzten" in anderen Dienstleistungs-Bereichen! Vielleicht meint der naive Einzelne auch so etwas wie "Ich möchte für Dein Tier (oder Auto oder Spielzeug u.s.w.) so etwas sein wie ein Arzt für Dich!", hier fehlt allerdings dann die genaue Einsicht was ein Arzt tatsächlich ist und grundsätzlich, daß auch bei wohlwollender Annahme im Einzelfall dieser Vergleich bei weiteren Handwerkern völig sinnlos und bei Tierärzten durch Missbrauch (bei gebildeten/kundigen Betrachtern) längst verbrannt ist!

Ein Tierarzt, der (faktisch weder durch Ausbildung noch durch Tätigkeit verbunden!) einen (qualifizierten) Arzt als seinen "humanmedizinischen Kollegen" bezeichnet, erzeugt hier das gleiche Bild wie ein "Tierheilpraktiker", der einen (qualifizierten) Tierheilbehander (den Tierarzt) als seinen "schulmedizinischen Kollegen" bezeichnet (oder auch ein "Heilpraktiker", der einen Arzt so benennt), ein nicht positives! Aber eben alles, das nicht gesetzlich geregelt (und konsequent überprüft und evtl. sanktioniert) ist, unterliegt grundsätzlich dem uneingeschränkten Wertepluralismus! (s. Art.4-5 GG)

Es verschafft sicherlich auch dem "unreifen" Tierhalter eine Befriedigung sich diese Zusammenhänge selber einzureden, da mit der Erhebung seines tiermedizinischen Anwendungstechnikers zu einem "Halbgott" auch seine eigene moralische Wertigkeit durch dessen Dienstleistungsannahme, im Rahmen eines möglicherweise äußerst beschränkten Weltbildes wächst!

Ebenso "äußerst hinterfragungsbedürftig" erscheinen Tierärzte, die sich nebenbei als "Heilpraktiker" (für Menschen!) verdingen (von jenen, die sich selber parallel oder ihre Angestellten als "Tierheilpraktiker" zum offensichtlichen Zwecke weiterer Werbewirkung bezeichnen, noch ganz abgesehen!).

Dieses alles kann beim anzustrebenden kompetenten und "reifen" Tierhalter nicht vertrauensfördernd wirken und in keinem Fall als professionsbegründend anzusehen sein!

 

 

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Basiskompetenz ist nötig?!



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